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Jennifer Benkau – Himmelsfern

Für ihren Roman Dark Canopy hat die talentierte junge Autorin Jennifer Benkau den renommierten DeLiA-Literatur-Preis für die schönste Liebesgeschichte des Jahres 2012 gewonnen und auch mit Himmelsfern legt sie einen preiswürdigen Roman vor.
Noa hört eine Stimme, aber sie hört nicht auf sie. So steigt sie trotz Warnung in eine U-Bahn, die später entgleist. Ein junger Mann schützt sie mit seinem Körper und verschwindet trotz schwerer Verletzungen aus dem Krankenhaus. Noa macht sich auf, ihren Schutzengel zu finden. Und begegnet ihrer großen Liebe. Sie wird hineingezogen in den Strudel von Ereignissen, die sie nicht mehr selber steuern kann, denn die Liebe ist so fern und doch so nah.
Ganz besonders fasziniert an diesem Roman hat mich, dass ich nie wusste, wo es langgeht. Jennifer Benkau erzählt etwas ganz Neues und das auf so wunderschöne Weise, dass ich von dem Buch von der ersten Seite an gefesselt war. Ihr Erzählstil ist etwas besonderes, sehr geradlinig, aber doch voller Emotionen. Die Stimmung ist düster, oft melancholisch, aber doch immer mit so einem Fünkchen Hoffnung gepaart, dass man einfach weiterlesen muss. Die Geschichte geht in die Tiefe, wühlt den Schlamm am Grund der Seele auf und lässt einen verändert zurück.
Die Figuren, die Jennifer Benkau erschaffen hat, sind sehr lebendig, sehr lebensnah, ich liebte sie, aber manchmal hätte ich sie auch schütteln mögen, weil ich mit ihrem gewählten Weg nicht einverstanden war. Aber dann wäre die Geschichte langweilig und vorhersehbar gewesen. Es ist ein großer Reiz dieses Romanes, dass er mich auf neue Wege geführt hat, auch in meinem Innern, Wege, die ich nie zu vor beschritten habe und die mir neue Welten eröffnet haben. Das Ende ist so klug gewählt und so fantastisch erzählt, dass es lange in mir nachklang und ich mich nur schwer von Noa und ihren Gefährten lösen konnte. Das geschieht nur selten und zeichnet diese Geschichte besonders aus. Sie werden für immer einen Platz in meinem Herzen haben.
Jennifer Benkau muss man gelesen haben.

 

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Ring-el-reihen – Von der Welt Anfang und Ende im Münchner Theatermuseum

Neuestes Goldiges aus dem Rhein

Neuestes Goldiges aus dem Rhein

Zum Wagnerjahr will auch das Münchner Theatermuseum nicht abseitsstehen und bietet dazu eine Ausstellung über den Ring in München.

Informativ, multimedial und überschaubar wird dabei die (Inszenierungs-)geschichte der Tetralogie vor allem anhand der Münchner Aufführungen beleuchtet. Anhand von Skizzen, Drucken, Photos und Dokumenten kann die frühe Darbietungsweise – noch ohne Regie und dem Werk vollkommen verpflichtet – nachvollzogen werden. Alles Neuere seit Chéreau wird dank Videoeinspielungen bildlich spürbar und ein ganzer Raum ist dem sensationellen 21.Hundertring von Kriegenburg aus dem letzten Jahr gewidmet. Zudem wird erinnert, wie knapp München vor einem Semperschen Festspielhaus stand, dass wir den Dresdner nun dennoch gerne gönnen.

Die Erkenntnisse sind interessant. Bereits Wagner, nicht nur werkvergessener Regieneuling, ließ symbolisch Bühnenzaubern. Anhand eines Diaprojektors flogen seine Walküren durch die Lüfte (Turandot macht‘s heute in 3D wenig anders), die Rheintöchter wurden bereits zur Uraufführung in Bayreuth in Schwimmwagen durch einen aufwendig fingierten Rhein gefahren (keinem Mähdrescher wie im Elisir) und bereits in den 90 Jahren des 19. Jahrhunderts begann man mit massiver Abstraktion, Versinnbildlichung weg vom nordischen Fasching. Dokumentationen der wegweisenden Wieland Wagner-Interpretation erscheinen dabei in einer linearen Reihe der Interpretation des Monstrums Ring zu einem allgemeingültigen (geretteten?) Gehalt. Versuche der russischen Symbolisten, Designs im Stile der amerikanischen Architektur der Zwanziger und schließlich die große Industrialisierungsparabel des Jahrhundertrings, sie werden aufeinander bezogen und legitimieren sich im Reiben an der Vorlage.

Darauf folgen die neuerlichen Versuche. Jossi Wielers hinterkünftiger Stuttgarter Ansatz mit seinem abgründigen Kindersaal (im Modell) bis zu Wernicke, der in Zusammenarbeit mit Nike Wagner einen Bayreuther Ring in München inszenierte. Neben Goldfischen und viel Ausgehgarderobe sieht hier der Zuschauer Bayreuth, die Tribüne, die Bussibussipremierenpublikumsbesetzung und das Symbol Bayreuth mit ihrem gesamten Gschmäckle, das bis heute massiv nachwirkt. Bis zu seinem frühen Tod inszenierte Wernicke damit gescheit mehr die Rezeption als den Ring selbst. Über Alden und seinem vom – bereits Franze-berüchtigten – Münchner Publikum gehasstem Popart-Spaß-Ring wird gezeigt, welche Probleme dieser Ring bereiten kann und wie sehr einige versuchten die Größe zu verlächerlichen, zu verkleinern, um ihm habhaft zu werden. Ein Vorwurf, den man sicherlich auch dem überselbstreferenziellen Castorf dieses Jahr machen muss.

Die Besetzungen verdeutlichen dagegen die Kontinuitäten großer Sängerkarrieren und Münchner Lieblinge (Schnaut, Maier,u.a.) bis zu Kriegenburg und den durchaus durchwachsenen Kritiken seiner Fassung von 2012. Im Spiegelbild und Vergleich dieses Ringelreihen zeigt sich die Größe und Perfektion und die Steigerung einer langen, wichtigen Ringgeschichte in München.

Noch bis zum 20. Oktober täglich außer Montag, 10.00-16.00 Uhr

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Containerwalzer – Don Giovanni in der Staatsoper

Eine Sau namens Komtur Die neue Spielzeit beginnt für den Autor mit Mozart. Etwas skeptisch nach den berstend langweiligen, semikonzertanten Rose/Dorn-Inszenierungen (Figaro/Cosi) und ihrem szenischen und unterhaltlichen Minimalismus verantwortet den Don Giovanni Stephan Kimmig und liefert einen, nun ja, Kontrapunkt.

Mit dem ersten Ouvertürenschlag steht da der nackte, alte Statist zitternd mitten im Containerbahnhof und erregt Mitleid. Dahinter walzen die schwerfälligen Container (Spediteurin war Katja Haß) über die Drehbühne. Das Bild ist klar und holzhammerartig. Hier wird verladen, verräumt, verramscht. Eine gute Idee für einen Bühnenvorhang, als Inszenierungsidee zu wenig. Denn die Bühne ist Regie, viel mehr fiel Kimmig nicht ein. Die Container springen wie in einem Puppenhäuschen der Hässlichkeit auf und offenbaren verschiedene geschmacklose Interieurs oder komplett zufällige Requisitenfetzen. Ebenso wurde die Besetzung anscheinend mit wahllosen Resten des Kostümfundus (Garderoberin: Anja Rabes) angezogen. In, auf und zwischen den Containern wird dann viel und oft wenig inszeniert gesungen. Dazwischen immer wieder der nackige Opi beim Briefe-Lecken, Windradpusten oder als seltsame Aerobic-Kür. Willkürliche Videoanimationen von einem Stadionbildschirm ergänzen das wirre Regie-Nicht-Konzept ebenso wie Diktatorenstaffage und blinde Kirchenkritik ganz am Ende. Zudem gehört ab diesem Abend der Satz: „Hast du die Pinguine gesehen?“ zu den Topfünf der Fragen, die man in der Oper nie hören möchte.

Mehr ist nicht. Ein kleiner Skandal mit den Schweinehälften als Friedhofsersatz und etwas Blut bei dem doch eigentlich ganz fröhlichen Drama um den Sexualsoziopathen auf seinen dreisten Raubzügen.

Bühnenschönheit Container An den Figuren wurde allerdings gearbeitet. Nach seinem grandiosen Wozzeck überzeugt Simon Keenlyside auch hier in einer vielschichtigen, psychologischen Darstellung der Titelrolle. Sein Bariton ist dabei weder Stroboskop- noch Flutlicht, dafür eine warme Tiffanylampe, die über dem tristen Containerhaufen angenehm brennt. Kongenial daneben der biestige, spielfreudige Leporello von Kyle Ketelsen. Die verträumte Travellerin Elvira setzt die Glanzlichter dank Dorothea Röschmann ebenso wie die seltsam kindfraulich inszenierte, jedoch bravurös gestemmte Anna von Elza van den Heever. Süßes Highlight die sattelfeste Laura Tatulescu als Zerlina, die bald zum Publikumsliebling Münchens avancieren wird. Erwähnenswert weiterhin die starken Sidekicks Ottavio (brillant Bernard Richter) und ein Komtur von Goran Juric, dass sogar Leopold sich vor diesem Vater noch gefürchtet haben dürfte.

Man wünscht sich nach diesem Giovanni zwar die Dornlangeweile nicht zurück, doch fragt sich, ob Mozart im 21. Jahrhundert tatsächlich so schwierig zu inszenieren ist. Anscheinend ermüden und scheitern nur die Münchner im Vergleich zu einem Claus Guth. Die Überdrehtheit und Redundanz von da Ponte und Wolferls Schnörkel fordern nämlich ein gescheites Gegenprogramm, das der Autor in München leider noch nicht finden konnte. Dafür Pinguine.

Besucht wurde die Vorstellung am 22.09.2013

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Rita Hampp – Im Dunkel der Schuld

Im Nachwort schreibt die sympathische Autorin, dass sich mit diesem Buch der lang gehegte Traum vom Aufstieg in die “Bundesliga” erfüllt habe. Damit  liegt sie jedoch falsch. Sie hat die Bundesliga nämlich übersprungen und ist gleich in der Champions League eingestiegen.
Ebba, eigentlich Elisabetha, hatte keine glückliche Kindheit, der Vater hat die ganze Familie tyrannisiert, bis er bei einem Unfall ums Leben kam. Jedes Familienmitglied hat psychische Schäden aus der Zeit davongetragen. Ihr Bruder Georg ist ein Pedant, der alles dreimal kontrolliert, ihre Schwester Rosie hat so schlimme Höhenangst, dass sie bei einer Zugreise Valium schlucken muss, um die Brückenüberquerungen durchzustehen. Die Mutter betet in einem fort und auch Ebba hat Panikattacken und Alpträume. Als ihr Bruder, der älteste der drei Geschwister, unter mysteriösen Umständen stirbt, befürchtet Ebba einen Zusammenhang mit der Vergangenheit.
Rita Hampp reiht sich mit diesem hochspannenden Thriller in die allererste Riege der bekannten Autoren ein. Sie beweist, dass man mit einer sehr gut erzählten Geschichte mehr Spannung erzeugen kann als mit Unmengen von Blut und übelkeitserregenden Schilderungen von Folter und Mordarten. Sie packt den Leser von der allerersten Seite und lässt ihn bis zum Schluss nicht los. Das hat mir eine schlaflose Nacht beschert, denn es war nicht daran zu denken, das Buch aus der Hand zu legen, bevor ich wusste, wer der Täter ist. Der Spannungsbogen wird, obwohl die Geschichte selbst über einen Zeitraum von sechs Jahren geht, immer gehalten, aber nie überspannt. Auch ohne Cliffhanger fesselt die Handlung von der ersten bis zur letzten Seite. Während die Geschichte sich im Hauptstrang entfaltet, erfährt der Leser sukzessive Details aus Ebbas Kindheit.
Sehr fein gezeichnet sind die Figuren. Man versteht sie, ihre Handlungen sind nachvollziehbar, sogar für die Täter bringt man am Ende ein gewisses Verständnis auf, weil die Autorin auch ihre Motivation deutlich macht. Starke psychologische Portraits bringen jeden der Handelnden ganz nah an den Leser.
Ein sehr starker erster Roman im Thrillerberich von Rita Hampp. Ich hoffe, es folgen noch viele.

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Aaron Pogue – Oberon’s Dreams (The Godlanders War)

Eine vom Elfenkönig Oberon erträumte Welt steht im Mittelpunkt dieses lesenswerten Fantasyromans von Aaron Pogue.
Corin ist Piratenkönig und auf der Suche nach einem sagenumwobenen Schatz, der sich in der untergegangenen Stadt Jeselich befinden soll. Doch als er die Stadt findet und der Schatz leider nicht aus Gold und Silber besteht, sieht er sich einer Meuterei seiner Mannschaft ausgesetzt. Er wird in der brennenden Stadt zurückgelassen und entkommt nur, weil er tausend Jahre in der Zeit zurückreist und im Königreich von Oberon, dem Herrscher der Elfen landet. Dort muss er sein bisher größtes Abenteuer bestehen und zwischen realen und geträumten Welten unterscheiden. Er kann nur eine Welt retten – für welche wird er sich entscheiden?
Der Roman beginnt ohne langes Vorgeplänkel mitten in einer Szene, der Leser wird direkt hineingeworfen. Mich hat das fasziniert und ich fand es auch nicht verwirrend. Die Handlung nimmt ziemlich schnell an Fahrt auf und bald ist man von Elfen, Druiden, Menschen, Zwergen und sogar Göttern umgeben. Sehr geschickt verwebt der Autor hier verschiedene Fantasyansätze, die zum Teil bis auf den großen Meister Shakespeare zurückgehen. Das macht Spaß zu lesen und ist spannend.
Corin Hugh ist ein charmanter Held und ihm zur Seite stehen so interessante Figuren wie ein elfischer Meisterdieb, eine verbannte Hofdame und ein Wachmann, der Feigling geheißen wird und doch mehr Mut hat als alle seine Kameraden zusammen. Auch Oberon ist nicht das, was er auf den ersten Blick scheint.
Aaron Pogue gelingt es, eine neue Fantasywelt zu erschaffen, die zwar an andere erinnert, aber trotzdem eigenständig ist. Er erzählt die Geschichte spannend und mit einem Augenzwinkern. Der Schluß macht Lust auf mehr. Ich werde nach einer Fortsetzung Ausschau halten.

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Peter Heller – Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte

In seinem Debütroman findet der für seine Sachbücher bekannt gewordene Autor Peter Heller poetisch karge Worte für den Kampf ums Überleben in einer feindlichen Welt, der gleichzeitig auch immer ein Kampf ist, Mensch zu bleiben.
Big Hig hat zwei für fast die gesamte Menschheit tödliche Pandemien überlebt, dabei hat er seine Frau und sämtliche Freunde verloren. Er lebt mit seinem Schäferhund Jasper und dem Waffennarr Bangley auf einem aufgelassenen Flughafen. Sie sind zwei der wenigen Überlebenden und wenn mal andere auftauchen, werden sie rigoros abgeknallt, weil sie eine Bedrohung darstellen. Das Fliegen ist Big Higs Leidenschaft und eines Tages empfängt er während einer seiner Aufklärungsflüge einen Funkspruch von einem weit entfernten Flughafen. Obwohl das Benzin nicht für Hin- und Rückflug reicht, macht sich Big Hig auf, um den Absender des Funkspruchs zu suchen.
Mir hat die Sprache sehr gut gefallen. Sie ist direkt, genau so, wie ein Mensch spricht, der nicht viel spricht. Man beginnt dann auch, so zu denken, wie man spricht und genau das ist hier sehr, sehr gut wiedergegeben. Es macht auch wenig Unterschied, ob Big Hig denkt, oder mit jemandem spricht, er redet eigentlich sowieso meistens zu sich selbst. Die Figuren sind authentisch in ihrer Entwicklung und brachten mir die Ereignisse sehr nahe. Die geschichte entwickelt sich auf leisen Sohlen, um dann mit Macht zuzuschlagen. Selten hat mich ein Buch in letzter Zeit so berührt.
Wenn man kaum menschlichen Kontakt hat bzw. die wenigen Überlebenden Feinde sind, droht man zu Verwildern und das Menschsein zu verlieren. Genau dagegen kämpft Big Hig. Er möchte trotz neun Jahren Einsamkeit nicht zum Tier werden. Durch die Innenansichten von Big Hig zeigt Peter Heller sehr schön die widerstreitenden Gefühle und die inneren Kämpfe, die er führen muss.
Ein gelungenes Debüt mit einem ungewöhnlichen Roman.

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Philipp Andersen/Miriam Bach – Warte auf Mich

Können, ja dürfen zwei Menschen sich lieben, von denen einer glücklich verheiratet ist und die andere auf gar keinen Fall Geliebte sein will? Nach der Lektüre von “Warte auf mich” bin ich der Ansicht, ja, es geht und man kann glücklich dabei sein.

Supererfolgreicher Schriftsteller trifft junge Nachwuchskollegin, man ist von einander angezogen und verbringt eine Nacht miteinander, in der aber körperlich nicht viel passiert, dafür umso mehr in den Köpfen. Er ist sehr interessiert, sie eher nicht, man tauscht Bücher aus, verliebt sich über die Lektüre. Er wirft sich mit seinem ganzen Sein in die Beziehung, sie ist eher zurückhaltend und versucht auf ihren Verstand zu hören, der ihr sagt, dass eine Dreiecksgeschichte nichts für sie ist. Bis zu dem Punkt, an dem sie erkennt, dass sie Philipp wirklich liebt.

Das ist eigentlich mein einziger Kritikpunkt an diesem an sich ganz wunderbaren Roman: die Protagonisten heißen genauso wie die Autoren. Kann man dann davon ausgehen, dass die Geschichte sich so, oder so ähnlich, tatsächlich ereignet hat? Einer fiktiven Figur möchte ich durchaus so nahe sein, aber nicht einem wirklichen Menschen, den ich vielleicht schon morgen an der Supermarktkasse kennenlerne.

Und diese Geschichte fühlt sich sehr real an. Das mag daran liegen, dass seine Seite in der ich-Form geschrieben ist. Dass er sehr viele Dinge tut, die man selbst schon erlebt hat, wie bei Facebook oder WhatsApp nachsehen, wann der andere das letzte Mal online war. Und wenn er gerade online ist, sich ihm oder ihr nahe fühlen. Das mag auch daran liegen, dass ihre Sichtweise distanzierter ist, und sie sich aber trotzdem irgendwann einmal ganz und gar hingibt. Die Himmelfahrten, wie sie ihre kleinen Treffen genannt haben, die strotzen nur so vor Glück, dass man selbst gleich mit glücklich ist. Es hat mich berührt, so tief in eine Beziehung eintauchen zu dürfen, aber manchmal halt auch leider ein ganz kleines bisschen unangenehm.

Wenn man diese Vorbehalte nicht hat, ist es ein unschlagbar schöner Liebesroman.
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Keith Dixon – This is how you fall

Jacob Asprey jr ist eigentlich ein interessanter Charakter und hätte der Autor es zugelassen, dass man ihm im Laufe der Geschichte näher kommt, wäre das ein fantastischer Roman geworden.
Jake möchte auf gar keinen Fall so werden wie sein Vater. Der hatte seinen Lebensunterhalt damit verdient, anderen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Jake möchte studieren und einen anständigen Beruf ergreifen. Als er jedoch vom College geworfen wird, weil auch das Konto, auf dem sich sein Ausbildungsgeld befindet, ebenfalls zur Schuldentilgung konfisziert wird, muss er eine Job als Bademeister in einem Countryclub annehmen, in dem schon sein Vater Mitglied war, als die Zeiten noch besser waren. Als ein Freund und Geschäftspartner seines Vaters ihm ein Geschäft anbietet, mit dem er aller Sorgen ledig wäre, muss er sich entscheiden, ob er in die Fußstapfen seines Vaters treten oder seine Zukunftsträume für immer begraben will.
Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive von Jake jr erzählt. Er erinnert sich, er redet mit sich selbst und er tut das alles mit einer quälenden Langsamkeit, die im besten Fall irritiert, aber auch schon mal verärgert. Eigentlich wollte ich ja schon gerne wissen, wie er sich nun schlägt, aber es war so langatmig, dass ich ihn manchmal gern geschüttelt hätte.
Auch entwickelt er sich nicht wirklich. In den Rückblenden merkt man, dass er immer der gleiche bleibt, so wie er als Kind schon war. Das nervt ein wenig. Außerdem ist er ein wenig naiv. Da wird eine Riesenstory inszeniert, damit niemand merkt, dass er etwas freiwillig rausrückt, aber er denkt überhaupt nicht drüber nach, dass er damit im Grunde alles auf seine Angebetete schiebt. Das ist unglaubwürdig.
Leider hat der Autor es nicht geschafft, mich für die Geschichte von Jacob Asprey Junior zu interessieren und es lag sicher nicht an mir.

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Fest.Spiel – Lorin Maazel und die Philharmoniker bei den Salzburger Festspielen

Verdi, Wagner Salzburg Salzburg, Mekka, Moloch und Musikhochburg im Sommer. Der Autor durfte dieses Jahr das erste Mal den Zauber der Mozartstadt zur Festspielzeit erleben, die dann nach Schickeria, Schilcher und Show duftet. Nur hier wird man vom Kellner mit breitestem Austrodialekt sicherheitshalber amal auf Englisch zum Badezimmer gewiesen, denn das internationale {russische} Klientel hat die Salzachstadt längst übernommen. Auf der Toilette im Peterskeller erleichtert sich dann der Theopil persönlich, als Wolferlkopie im Reberkostüm und Perücke, der ein Amadeusgaladinnerkonzert geben muss. Vor dem Festspielhaus dann große Parade: Wenn der Jedermann mit seinen jüngsten Krampussen und Perchten vorbeidefiliert ist, promenieren dafür die älteren Damen des Mönchsbergjetsets mit viel Farbe und noch mehr Brilli auf und ab; am Moetstandl vorbei und ein Hoch der geldigen Höherkultur. Das muss man mögen, ist ausgesprochen interessant und gehört zu gescheiten Festspielen, wie der Edeluhrenhauptsponsor. Dafür ist aber in Österreich auch die Netrebko samt Buben – und keine 18-jährige Barbusige – das Seite-1-Mädchen der Kronenzeitung…

Aber zur Musik, die genügend Anlass zur Pilgerfahrt ins Salzkammergut gibt. Nach den Verdihighlights und den szenischen Kontroversen gingen diese Festspiele konzertant und grandios zu Ende. Der große Lorin Maazel gab mit den Wiener Philharmonikern Wagner. Das „Siegfried-Idyll“ vor der Pause und dann hochkarätig besetzt den ersten Akt „Walküre“. Festspieltauglicher, froher Wagner sozusagen mit wenig Überlänge.

Maazel brilliert mit dem Idyll, indem er auswendig, mit wenig Bewegung, ökonomisch und inspiriert den Klassiker vorstellt und aufführt. Mit gedehnten Tempi, Sinn für Zeit und einem Gefühl für den romantischsten aller Wagner vollführt er „eine Lehrstunde im Akkordaufbau“ (O-Ton Pause) und lässt Wagners kompositorische Genialität durchs transparente Dirigat aufscheinen. Die Evergreens erlauben den Vergleich und die Philharmoniker und Maazel erzeugen einen Siegfriedzauber, der einen Quantensprung im Vergleich zur berühmten Solti-Aufnahme aus dem Jahr ’81 bedeutet. Das liegt neben Maazels könnerischer Größe an dem ausgezeichnet ausgewogenen Klang dieses – wohl tatsächlich weltbesten – Orchesters, das ohne der Gefahr einer reinen Streicherorgie zu erliegen das Idyll als arkadische Landschaft interpretiert. Genauso wenig tunken sie den Pinsel zu satt und zu dick in die Klangfarbe, erlauben keinen Obers-Kitsch, keinen Zuckerguss zur Wagnertorte. Und das in Salzburg! Bravourös!

 Aufstellung fürs Idyll: Die Wiener Philharmoniker noch ohne Lorin Maazel Dann die große Liebesgeschichte und die Vorgeschichte zum freien Helden Siegfried. Maazel wirft uns gekonnt und von den brillanten Philharmonikern makellos durchgeführt in den Wirbelsturm des Vorspiels ohne einen Patzer bis in Hundings düstere Hütte. Dort warten Giganten. Eva-Maria Westbroek präsentiert Bayreuth gestählt eine sensationelle Sieglinde mit der besten Diktion des Abends. Seit dem Vorspiel in lyrischer Meditation versunken, erwacht diese (leider konzertant beschnittene) Sieglinde eruptiv, um liebend und sinnend zu glänzen. Großes Gesangskino in perfekter Rahmung. Ihr Gatte Matti Salminen als Hunding, der seinen Part mit düsterem Bass und vollem Klang dämonisch kühl gibt. Den Siegmund singt Peter Seiffert versiert, dosiert und mit Effektkenntnis. Der jüngst zum Kammersänger geadelte Heldenveteran kennt die Rolle in- und auswendig und seine große Erfahrung spiegelt sich in den wunderschönen Winterstürmen routiniert wieder. Für die Wälserufe indes ist die Stimme mittlerweile zu weit von Wolfes Kinderreigen entfernt, diese wirken gesteuert pointiert und im Vokalischen besonders auf den Letzteffekt hin produziert. Eine mitunter notwendige Hascherei des späten Sängers? Während er sich im großen Liebesdialog hervorragend im Griff hat, fehlt neben den erwartbaren Glanzlichtern ein wenig der runde Kraftklang, den der Siegmund voraussetzt. Diesen Sound liefern die Philharmoniker dagegen hervorragend, im Liebes- und Nibelungenreigen entspinnt sich ein dröhnender Klang- und Passionssturm durch das Festpielhaus, dass Amadé ein paar Straßen weiter auf seinem Sockel noch bebt und sich der Gnade seiner frühen Geburt bewusst wird. Alles endet schlussendlich mit dem einzig legitim komponierten (Pardon Monsieur Ravel) Orgasmus der Musikgeschichte mit dem irren Aktschluss und dem Salzburger Nachspiel. Erwachsene, lange Ovationen vor Würstelstandl und Absacker. Bis zum nächsten Mal!

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