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Premiere Die Omama im Apfelbaum, 24.10.2010, Gärtnerplatztheater

Nach einer Oper, einem Ballett und einem Musical für Kinder in den vorangegangenen Spielzeiten setzt das Staatstheater am Gärtnerplatz die Reihe fort mit einer Oper schon für die ganz Kleinen. Ab vier Jahre sollte sie sein, das halte ich wegen der nicht ganz einfachen Musik für zu jung. In Wien, wo die Oper uraufgeführt wurde, lautete die Altersempfehlung ab sechs Jahre. Und noch etwas fällt leider negativ auf: für alle Vorstellungen sind zwar durchgängig Kinderkarten für 8 € zu bekommen, die Eltern zahlen allerdings für eine etwas über einstündige Sonntagvormittagsvorstellung in der besten Kategorie 50 €. Meiner Meinung nach hält das Familien vom Besuch einer Vorstellung ab, alleinstehende Erwachsene kann man das zahlen lassen, aber für Eltern mit Kindern sollte es schon so etwas wie ein Familienticket geben.

Positiv sticht das wirklich wunderschön gestaltete Programmheft ins Auge, für das Dramaturgin Sonja Westerbeck verantwortlich zeichnet. Es fängt die Atmosphäre auf der Bühne wirklich wunderbar ein und ist ein kleines Kunstwerk für sich. Das Bühnenbild ist kindgerecht aufbereitet, auf der Drehbühne sind die drei verschiedenen Schauplätze, der Esstisch der Familie von Andi, das Häuschen, in dem die Säuerlichs und Frau Fink wohnen und natürlich der Apfelbaum, verteilt. Letzteren finde ich leider nicht so ganz gelungen, er ist aus Kleidungsstücken zusammengesetzt (aufgefallen ist mir das erst, als ich direkt neben Andi einen BH habe herabbaumeln sehen 😉 ) und sieht ein wenig traurig aus. Sehr schön ist dagegen der Prospekt für den Rummelplatz, da fühlte ich mich sofort auf denselbigen versetzt. Die Inszenierung von Regisseur Holger Seitz halte ich für sehr gelungen, kindgerecht aufbereitet und vielleicht finden sich die ersten Buben ja auch schon im Fußballspiel am Anfang wieder. Auch die Kostüme von Peter Engel, der auch für das Bühnenbild verantwortlich zeichnete, sind sehr passend. Er macht aus Thérèse Wincent einen sehr glaubhaften Jungen, sie bewegt sich allerdings auch sehr gut.

Musikalisch fand ich es etwas durchwachsen. Das bezieht sich jetzt ausdrücklich nicht auf die Leistungen von Orchester und Sänger, die waren durch die Bank gut bis sehr gut, sondern die Musik der Oper an sich. Ich fand sie zwar teilweise  eingängig mit kindgerechten Melodien und auch sehr abwechslungsreich, vermisste aber einen roten Faden, der das Ganze zusammenhält. Der Funke übergesprungen ist bei mir auch erst bei “Sauer macht lustig”, anfangs dachte ich, ich würde gar nicht hineinkommen in das Stück. Aber es mag sein, dass Kinder das anders empfinden. Auf dem Rummelplatz illustrierten die kurzen Liedfetzen zwar sehr schön das Durcheinander, das dort herrscht, sind aber bestimmt schwer zu spielen und zu singen.

Das Orchester unter dem jungen begabten Dirigenten Benjamin Reiners hat mir gut gefallen. Obwohl das Stück nur relativ kurz ist, stelle ich es mir schwierig vor, die ständig wechselnden Melodien exakt hinzubekommen. Die Solisten waren ausgesprochen gut besetzt, jeder verkörperte die teils doch sehr unterschiedlichen Typen stimmlich und darstellerisch sehr gut. Allen voran natürlich Thérèse Wincent, die mich als Andi voll überzeugte. Sehr schön auch Franziska Rabl, ihre wundervolle Mezzostimme kam auch in den Rollen von Frau Säuerlich und der Luftballonverkäuferin bestens zur Geltung. Überzeugt hat mich auch Susanne Heyng als Frau Fink, die zu recht für ihre Rollengestaltung viel Applaus bekam. Ann-Katrin Naidu, Frances Lucey und Ella Tyran ergänzten die Leistungen der weiblichen Sängerriege sehr gut. Aber auch bei den Männern gab es nur positives zu verzeichnen: Torsten Frisch fiel mir in allen vier gut gespielten Rollen besonders durch seinen schönen Bariton auf, Mario Podrečnik und Hans Kittelmann machten ihre Sache ebenfalls sehr gut.

Eine gelungene Premiere, nur bei der Preisgestaltung sollte man nochmal nachbessern. Gratulation an alle Beteiligten!

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1 comment to Premiere Die Omama im Apfelbaum, 24.10.2010, Gärtnerplatztheater

  • Ulla

    Es lohnt sich doch, auch ein Stück für Kinder hochkarätig zu besetzen: Therese Wincent war einfach genial. Allein der Kontrast zu ihrer Gräfin Mariza (ebenfalls exzellent, nur ganz anders) ließ mich schon wie hypnotisiert auf die Bühne starren. Ein Lob an Holger Seitz: Er weiß, was Kinder wünschen. Die zwei Testkinder, die ich dabei hatte, haben sich keine Sekunde gelangweilt, das muß man erst mal hinkriegen. Ich persönlich fand den Apfelbaum im Bühnenbild sehr gelungen, und die Musik ist keineswegs zu schwer für Kinder (frei nach der Devise: wenn das Kind es mag, ist es nicht zu schwer). Von der Partitur war ich völlig begeistert: wenn es mal wieder was von Elisabeth Naske gibt, muß ich mir das unbedingt anhören. Das Orchester war große Klasse. Das Libretto ist doof (uups, habe ich das gesagt? Ja, muß leider so gesagt werden), aber die Kinder hat es nicht gestört. Die Altersangabe (ab 4 Jahren) finde ich okay. Mein Erstkläßler hat sich keinen Deut besser benommen als die Kindergartenkinder. Irgendwie muß man die lieben Kleinen ja mal an die Verhaltensregeln im Theater heranführen. Damit sie sich dann wenigstens als Berufsschüler einigermaßen benehmen können, wenn sie mal auf eine Oper losgelassen werden. Außerdem sind viele Elfjährige ja fast schon zu cool für dieses Stück.

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