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Lesung und Gespräch mit Kate Mosse, 17.08.2018, Edinburgh International Book Festival

Foto © ottifanta

Foto © ottifanta

James Runcie eröffnete die Veranstaltung mit der Aufforderung an die Zuschauer, sich vorzustellen, bei einer Redaktionssitzung zu sein. Ein neues Buchprojekt wird vorgestellt, ein Vierteiler über Hugenotten. Die Begeisterung sei nicht gerade groß, bis als Autorin Kate Mosse genannt wird.

Der erste Band The Burning Chambers beginnt 1562 in Carcassonne, die Reihe spielt über einen Zeitraum von 300 Jahren. Auf einer Reise nach Südafrika sei ihr in der Weinregion am Kap ein Schild aufgefallen, auf auf dem “Languedoc” stand und dass alle Weingüter französische Familiennamen trugen. Als sie durch eine “Hugenottenstraße” fuhren, sprach sie den Fahrer darauf an, der ihr das Hugenottenmuseum in Franschhoek empfahl.
Im Museum hänge eine Liste mit den Namen von sieben Familien, die im August 1688 am Kap ankamen. Damals gab es eine gezielte Bewegung, um französische Winzer in die Kapregion zu locken, indem ihnen eine bezahlte Überfahrt angeboten wurde. Diese sieben Familien gingen auf das Angebot ein, alle Hugenotten auf der Flucht. Ihr erster Instinkt sei gewesen, dass sie darüber nicht schreiben könne, weil sie nichts über Südafrikas Geschichte vor dem 20. Jahrhundert wisse. Auf der anderen Seite fühlte sie sich zur Geschichte dieser Menschen hingezogen und entschied sich über die letzte Familie auf der Liste zu schreiben.
Im 17. Jahrhundert seien viele Hugenotten aus Frankreich geflohen, ihre Nachkommen über die ganze Welt verstreut. Kate Mosse wollte das Schicksal dieser Familie beschreiben, die Suche nach einer neuen Heimat, während die alte Heimat sehnlichst vermisst werde. Sie hatte eine Vision von den Menschen auf diesem Schiff, die in dem noch fremden Tal ankamen, das dem Languedoc optisch und klimatisch sehr gleiche.
© Pan Macmillan

© Pan Macmillan

Auch dieses Mal stehen fiktive Figuren im Mittelpunkt, da sie sich als Schriftstellerin sieht und nicht als Historikerin. Daher bewege sich ihre erfundene Familie vor dem historischen Hintergrund, alle Figuren seien frei erfunden. Burning Chambers sei ein wenig wie Game of Thrones im 16. Jahrhundert, eine Liebesgeschichte wie Romeo und Julia. Der nächste Band heißt The City of Tears, zeige die Ereignisse in Paris während der Bartholomäusnacht, wechsele dann nach Amsterdam und erzähle die Geschichte eines verlorenen Kindes. Der erste Band habe für sie “Feuer” als Thema, es folgen “Luft” und “Wasser”, im letzten Band dann “Land”, das für die neue Heimat stehe. Es sei ihr wichtig, normale Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, nicht Könige und Kleriker. Das Leben habe sich zwar in den letzten Jahrhunderten durch wissenschaftliche und gesellschaftliche Fortschritte stark verändert, aber sie frage sich, ob das Herz der Menschen so sehr verändert habe.
Wie hätte sich eine 19-jährige junge Frau gefühlt, die am 1. März 1562 im Buchladen ihres Vaters arbeitete und bei der plötzlich Fremde an der Tür klopften. Ihr gehe es um die eher stillen, normalen Menschen, deren Leben und Gefühle, ihre Widerstandsfähigkeit in solchen Zeiten des Umbruchs.
In jener Zeit gab es Sondergerichte, die Hugenotten überführen sollten und in Räumen ohne Tageslicht stattfanden. Diese Gerichte seien “die brennenden Kammern” genannt worden, weil überführte Calvinisten zum Tod durch Verbrennen verurteilt wurden. Der englische Buchtitel The Burning Chambers beruht auf der französischen Bezeichnung “chambre ardente”, für die deutsche und niederländische Übersetzung werden man einen anderen Titel wählen müssen, da es in diesen Sprachen keine passenden Begriffe gäbe. Ein Veröffentlichungstermin für die deutsche Ausgabe steht noch nicht fest. Es sei damals nicht um Glauben gegangen, sondern um Einfluss auf den jungen Prinzen am Hofe.
Angesprochen auf die Verherrlichung von Gewalt in Büchern und im Theater, erwiderte Kate Mosse, dass in der Kunst manchmal Übertreibung als Stilmittel eingesetzt werde. Die Leser bzw. Zuschauer sollten nicht davon ausgehen, dass es sich dann um die Wirklichkeit handele. Autoren hätten in dieser Hinsich eine hohe Verantwortung, denn Sex und Gewalt sollten der Handlung dienen und nicht nur mal so für den Effekt eingesetzt werden.
Auf die Frage, wie ihre Bücher bei jüngeren Lesern ankämen, die in der Regel keinerlei Empathie hätten, antwortete Kate Mosse, dass jede Generation über Empathie verfüge, aber Geschichte heute nicht mehr umfassend vermittelt werden. Es gehe von den Römern direkt zu den Tudors und dann zum 2. Weltkrieg. Jüngere Leser seien in einem höheren Maße “gender-fluid” in Bezug auf die Identifikation mit den Figuren, junge männliche Leser würden sich häufiger mit weiblichen Figuren identifizieren als ältere Leser und junge weibliche Leser könnten sich umgekehrt oft besser in männliche Figuren hineinversetzen als ältere.
Zum Abschluss bedankte sie sich beim Publikum für das Interesse und nahm sich später beim Signieren viel Zeit für jeden.

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