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Christine Kabus – Töchter des Nordlichts

Christine Kabus schafft es auch mit ihrem zweiten Roman Töchter des Nordlichts ein spannendes Familiendrama mit der Geschichte eines Landes zu verweben, das den meisten Lesern relativ unbekannt sein dürfte.

Der Debutroman Im Land der weiten Fjorde handelt von der Geschichte Norwegens im zweiten Weltkrieg und die Besatzung durch Deutschland. Kabus greift eine Figur aus diesem Roman, Nora, auf und erzählt deren Lebens- und Familiengeschichte. Dabei geht sie weiter zurück an den Beginn des 20. Jahrhunderts und die Bemühungen der Norweger, die Ureinwohner, Sami genannt, zu unterdrücken und die Kultur auszulöschen. Zwar schließt Töchter des Nordlichts zeitlich direkt an den ersten Norwegenroman der Autorin an, kann aber eigenständig gelesen werden.

Nora ist ohne Vater aufgewachsen und begibt sich mit ihrer Mutter auf die Suche nach ihren Wurzeln. Sie erfährt, dass sie samische Vorfahren hat und lernt die Familie ihres Vaters endlich kennen. Neben Liebe und Anerkennung schlägt ihr aber auch Hass entgegen, denn auch unter den Samen gibt es radikale Gruppen. Parallel dazu wird die Geschichte von Áilu erzählt, einem neunjährigen samischen Mädchen, dass 1915 in der Finnmark, dem nördlichsten Teil Norwegens, von den Behörden entführt und in eine Umerziehungsanstalt gesteckt wird, um aus ihr die gute Norwegerin Helga zu machen. Áilu passt sich zunächst an und verleugnet ihre Identität, kann aber ihre samischen Wurzeln nicht vergessen.

Christine Kabus erzählt mit leichter Hand den Weg dieser beiden unterschiedlichen Frauen auf der Suche nach ihrer Identität. Dabei flicht sie geschichtliche Hintergründe ein, ohne zu werten. Der Leser erfährt viel über das Volk der Samen, ihre kulturelle Tradition und den Versuch, diese auszulöschen. Im deutschen Geschichtsunterricht lernt man dazu leider nichts, aber die Autorin versteht es, dem Leser die nicht ganz unproblematische Vergangenheit Norwegens nahe zu bringen. Aus jedem Satz leuchtet ihre Liebe zu diesem Land wie eine Fackel im Wintersturm.

Die Bücher der Autorin stechen aus dem Einheitsbrei der Familiensagas durch glaubwürdige Entwicklung der Figuren, wunderbare Landschaftsbeschreibungen und einen ungewöhnlichen Handlungsort hervor. Auf den nächsten Roman darf man gespannt sein.

Christine Kabus, 1964 in Würzburg geboren, arbeitete nach ihrem Studium der Germanistik und Geschichte als Dramaturgin und Lektorin bei verschiedenen Film- und Theaterproduktionen, bevor sie sich 2003 als Drehbuchautorin selbstständig machte. Schon als Kind zog sie der hohe Norden, den sie zunächst durch die Bücher von Astrid Lindgren und Selma Lagerlöf kennenlernte, in seinen Bann. Vor allem die ursprüngliche, mythische Landschaft Norwegens beflügelte ihre Phantasie. Sie begann, die Sprache zu lernen und sich intensiv mit der Geschichte Norwegens zu beschäftigen.

 

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