Archives

  • 2021
  • 2020
  • 2019
  • 2018
  • 2017
  • 2016
  • 2015
  • 2014
  • 2013
  • 2012
  • 2011
  • 2010
  • 2009
  • 2008
  • 2007
  • 2006

Kategorien

Lange Brechtnacht, 03.02.2012, Augsburg

Lange Brechtnacht in Augsburg Im Rahmen des „Brecht Festival Augsburg“ wurde am 3. Februar 2012 in der Augsburger Innenstadt die „Lange Brechtnacht“ veranstaltet. Von München aus machte ich mich auf den Weg in das noch kältere Augsburg. Die lange Nacht fand in diesem Jahr in und um das Rathaus statt. Auf dem Rathausplatz und im Foyer des Rathauses entfaltete sich eine szenische Installation von der Brecht-Enkelin Johanna Schall, „Brechts Plärrer“: Um Tonnen, in denen Feuer brannten, versammelten sich Schauspieler und Sänger mit Gitarre, die Ausschnitte aus Stücken und Texte von Berthold Brecht sowie Gesänge sehr eindrucksvoll gestalteten. Das war sehr anregend, es entstand ein lebhafter Austausch zwischen Interpreten und Publikum mit Diskussionen über Brecht, die Politik und die Welt.

Im Foyer des Rathauses ging es erst mal nicht unbedingt – dem Inhalt der Lieder entsprechend – gemütlich zu. Ein Chor, begleitet von seinem Leiter am Stagepiano, sang Brecht-Lieder und suchte hin und wieder den Einsatz. Nächster Punkt war eine Boxvorführung, interessant, aber zu lange. Als dritte Darbietung kam eine freie Interpretation mit dem Titel: „Vorm Regen schützen“, eine Choreographie von Elodie Lavoignat für zwei Tänzer. Ein Tanzstück nach Hanns Eislers Werk „14 Arten, den Regen zu beschreiben“, mit dem Brecht-Text „Morgens und abends zu lesen“. Es war eine sehr ausdrucksstarke Darbietung der beiden Tänzer, Elodie Lavoignat und Denys Mogylyov. Die Berliner Musiker der Tango Fusion, mit Lothar Hensel am Bandoneon, haben Stücke von Bert Brecht, Kurt Weill und Zeitgenossen von argentinischen Komponisten für Tango-Ensemble arrangieren lassen. Die Instrumentalisten an Violine, Cello, Kontrabass und Bandoneon verbanden die klangvolle, dramatische Kraft des Tangos und die klassische westliche Kammermusik auf wunderbare Weise.

Ein kleiner Kritikpunkt bzw. eine Bitte an das Kulturreferat der Stadt Augsburg: Es wäre schön, wenn das gedruckte Programm im nächsten Jahr etwas strukturierter und leserlicher gestaltet würde. Ich komme gerne wieder 2013.

Ähnliche Artikel

Lesung von Sina Beerwald aus „Die Goldschmiedin“ am 18.04.2008 im Ballonmuseum in Gersthofen

Zuerst einmal zum Ort des Geschehens: die Lesung fand im Neubau des Ballonmuseums statt, man kommt rein und muss eine Rampe hinunter, von der aus man den Nachbau eines Ballons von 1786 bewundern konnte. Unten war dann eine Art Amphitheater, vor dem der Tisch für die Lesung aufgebaut war. So schön wire die Umgebung war, leider war es sehr unbequem zu sitzen und zu dunkel für gute Fotos.
Nach der Begrüßung durch die Veranstalterin spielte erst mal eine Gruppe von vier Musikanten auf der Laute, Drehleier, Trommel und etwas Bass-ähnlichem. Danach wurden verschiedene kostümierte Menschen im Publikum vorgestellt, die unter anderem Elias Holl, den Erbauer des Augsburger Rathauses, und eine Fuggerin darstellten. Nach einer weiteren Runde Musik begann Sina mit der Lesung.
Trotz rauer Stimme legte Sina gleich los und stellte den Bezug von dem Ballon über ihr zur Zeit der Handlung der Goldschmiedin her. Weiter gings mit dem Anfang des Romans und und der Verwandlung Julianes. Dazwischen erzählte Sina völlig frei immer wieder von den historischen Zusammenhängen, dem Tagebuch Karls VII und anderen für den Roman wichtigen Fakten. Dann entführte sie uns in die Innenstadt von Augsburg zur Zeit Julianes mittels einer Präsentation von Stichen aus dieser Zeit. Auch hier verzauberte sie ihre Zuhörer wieder mit ihrem Detailwissen. Dazu passend war das letzte Stück aus dem Roman vor der Pause die Szene, als Drentwett an Julianes Arm durch Augsburg zum Beschauamt geht.
Nach der Pause gab es nochmals Musik, und die Szenen von der Vergoldung der Krone, Mathias und Juliane im Gasthof „Drei Mohren“ und die Szene von der Fertigstellung der Krone. Die Lesung endete mit der Sequenz des Gegenspielers, die sich daran anschliesst. Sina kann toll lesen, sehr akzentuiert und vor allem völlig frei sprechen. Souverän beantwortete sie noch eine halbe Stunde lang Fragen, warum sie zum Beispiel den Drentwett so und nicht anders angelegt hat, was passiert wäre, wenn Drentwett aufgeflogen wäre etc.
Leider musste ich bald nach dem Ende der Lesung gehen, so dass es nur noch zu einem kurzen Hallo und einer Widmung reichte.
Es war ein toller Abend, danke Sina!
Kleine Begebenheit am Rande: auf meinem Weg zum Augsburger Hauptbahnhof kam ich mit der Straßenbahn an einer Haltestelle namens „Drentwettstraße“ vorbei Augenzwinkern

Ähnliche Artikel