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Marc Ritter – Kreuzzug

Mich reizen Bücher, die in unmittelbarer Umgebung spielen, das macht es mir leichter, in eine Geschichte hineinzufinden. Wenn dann der Autor allerdings die gewohnte Umgebung seinem Roman anpasst, habe ich ein Problem damit.
Das war bei „Kreuzzug“ absolut nicht der Fall. Man merkt beim Lesen, dass sich Marc Ritter vor Ort genau auskennt und darüber hinaus genauestens recherchiert hat. Die Schauplätzen sind authentisch, es wirkt alles sehr realistisch und ich könnte mir vorstellen, dass ich ein wenig ein ungutes Gefühl habe, wenn ich das nächste Mal mit der Zahnradbahn auf die Zugspitze fahre.
Der Roman unterteilt sich in viele kleine Kapitel, bei denen jeweils Perspektive und Zeitebene wechseln. Das macht es zum einen ein bisschen schwierig in die Geschichte hineinzukommen, entwickelt aber andererseits eine gewisse Sogwirkung, die einen das Buch kaum noch aus der Hand legen lässt. Die Handlung ist bis zur letzten Zeile spannend und gesellschaftskritisch. Manche Figuren sind satirisch überzeichnet und haben mir mehr als einen Lacher entlockt. Diesen comic relief braucht man aber auch, sonst müssten die Fingernägel dran glauben. Insgesamt hätte die Charakterisierung der einzelnen Beteiligten vielleicht noch etwas mehr in die Tiefe gehen können, aber dann wäre der Roman vermutlich doppelt so dick geworden. Ausgerechnet der im Klappentext erwähnte Thien ist mir am unsympathischsten von allen gewesen.
Marc Ritter ist ein Thriller gelungen, der spannende Unterhaltung mit einer glaubwürdigen Story verbindet.

Marc Ritter, Kreuzzug, Droemer, ISBN 3426226189

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Nicola Förg – Mordsviecher

Dies war mein erster Krimi von Nicola Förg. Wenn man später in eine Serie einsteigt, hat man ja oft das Problem, dass manches vorausgesetzt wird oder Täter aus früheren Teilen verraten werden. Das war hier nicht der Fall. Ich hatte über weite Strecken sogar den Eindruck, den ersten Teil einer Serie zu lesen. Mir haben keine Informationen gefehlt.
Die Figuren wurden sorgsam eingeführt, die Kommissarin Irmi Mangold war mir von Anfang an sympathisch, sie hat eine sehr natürliche, ungekünstelte Art, die man gut mit dem Menschenschlag im Werdenfelser Land verbinden kann. Mit Kathi Reindl hatte ich eher so meine Probleme, das kann aber auch ein Generationending sein.
Der Fall war mitreißend und spannend und bis zum Schluss überraschend. Für Tierliebhaber waren die Szenen, in den die Zustände auf dem abgelegenen Hof beschrieben werden, schon ziemlich harter Tobak. Gleichzeitig wurde dabei aber auch das Problem des Tierhortens, also eine psychische Störung, die zum Sammeln von Tieren in nicht mehr überschaubarer Zahl führt, ins Blickfeld gerückt. Mir war diese Problematik bisher nicht bekannt und ich finde es gut, dass eine bekannte Krimiautorin dies zum Mittelpunkt eines Romans macht. Denn nur, wenn man davon schon einmal gehört hat, kann man vielleicht auch schon erste Anzeichen erkennen und gegen die Tierquälerei vorgehen. Demgegenüber standen absolut liebevoll beobachtete, realistische Szenen mit den beiden Katern der Kommissarin.
Der Spannungsbogen wurde bis zum Schluss aufrecht erhalten. Bei all den Grausamkeiten ergaben sich aber auch immer wieder humoristische, gelegentlich satirische Elemente, die sozusagen als comic relief dienten.
Mir hat der klare Stil von Frau Förg bestens gefallen. Ich werde das Experiment wagen und die vorhergehenden Bände sozusagen „nachlesen“.

Nicola Förg – Mordsviecher
Verlag: Pendo (März 2012)
ISBN-10: 3866123108

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