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Wladimir Kaminer – Ausgerechnet Deutschland Geschichten unserer neuen Nachbarn

Cover ©Goldmann

Cover ©Goldmann

gekürzte Lesung

2:19 Stunden

Sprecher: Wladimir Kaminer

Hörprobe *beim Verlag*

zum Inhalt (vom Verlag)

Über neue Mitbürger und unerwartete Nachbar

Täglich beobachtet Wladimir Kaminer, wie die Flüchtlingswelle Deutschland durcheinanderwirbelt. Und er beobachtet, wie das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Kulturen zahllose Geschichten hervorbringt. Diese erzählt Wladimir Kaminer voll Humor und echter Neugier, aber ohne falsches Pathos. Er berichtet von … (gekürzt, weil hier sehr viel aus dem nur zweistündigen Hörbuch verraten wird.)

Wie immer mit russischem Charme gelesen vom Autor selbst.

zum Autor (vom Verlag)

Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren. Seit 1990 lebt er mit seiner Frau und inzwischen erwachsenen Kindern in Berlin. Mit seiner Erzählsammlung »Russendisko« sowie zahlreichen weiteren Bestsellern avancierte er zu einem der beliebtesten und gefragtesten Autoren Deutschlands.

Meine Meinung

Obwohl die Hörversionen zu Wladimir Kaminers Büchern immer gekürzt sind, habe ich sie wegen seines humorvollen Vortrags immer lieber gehört als gelesen.

Schon das Titelbild macht deutlich, dass es diesmal nicht „nur“ um Russen und Deutsche geht – ein Gartenzwerg mit einer Wasserpfeife. Es geht um die Flüchtlingsproblematik 2015, aus der Perspektive der Einwohner des kleinen Dorfs in Brandenburg, in dem er lebt. Schnell wird klar, dass sich durch das Eintreffen der zwei (?) Großfamilien im Dorf einiges ändert und die sehr langsam zunehmenden Deutschkenntnisse und Google Translator das Miteinander fördern. Gewohnt warmherzig und selbstironisch beschreibt der scharfe Beobachter die Ereignisse.

Wladimir Kaminer ist ein Meister des humorvollen Erzählens auch drastischer oder peinlicher Begebenheiten, doch hier liest er stellenweise sehr ungelenk, fast als ob er den Text nicht kennen würde. Da wäre mir der Mitschnitt einer Lesung lieber gewesen.

Auch bei seinen Lesereisen durch Deutschland sammelte er Material für dieses Buch, in dem es mal nicht „nur“ um Russen und Deutsche geht. Die Dorfbewohner versuchen auf ihre Weise den Flüchtlingen zu helfen und es gibt zahlreiche interessante und auch peinliche Begebenheiten. Es entsteht der Eindruck, die Flüchtlinge würden keinen Kontakt oder Deutsch lernen wollen, andererseits wirken die Spenden eher wie das Ergebnis einer Kellerentrümpelung… Er macht deutlich, dass es „die Syrer“ an sich nicht gibt und es für beide Seite nicht einfach ist, zeigt, wie sich der Umgang im Dorf langsam ändert, durch wachsende Sprachkenntnisse auf beiden Seiten und nicht zuletzt dank Google Translator.

Gegen Ende gibt es noch ein so amüsantes wie treffendes Kapitel über die Gender-Manie. :grin

Das Thema liegt ihm am Herzen, das wird vor allem in der zweiten Hälfte deutlich. Die Auswahl der Kapitel wirkte auch mich etwas wahllos, die Handlung wechselte abrupt, es entstand oft der Eindruck, etwas würde fehlen.240 Seiten auf 2:19 Stunden, da wurde vermutlich viel ausgelassen.

Fazit

Die Buchversion ist in diesem Fall vermutlich deutlich besser, denn Wladimir Kaminer erzählt gewohnt humorvoll, auch wenn deutlich ist, dass auch er das Verhalten seiner neuen und alten Nachbarn nicht nachvollziehen konnte. Er hat sich eines schwierigen Themas angenommen, reißt viele Probleme an und vertritt die Ansicht, dass die Ereignisse 2015 weitaus tiefgreifendere Folgen haben als die deutsche Wiedervereinigung.

Vielleicht werde ich das 240 Seiten dicke Buch noch lesen, auf das mich das Hörbuch neugierig gemacht hat oder mal wieder zu einer seiner Lesungen gehen. Die vermutlich auf die Hälfte gekürzte und stockend vorgetragene Hörfassung kann ich leider nicht so recht empfehlen.

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Adventskalender 2017 Tag 3: Bloß a Gschicht von Hans Söllner

In Bayern ist der Musiker Hans Söllner vor allem durch seine provokanten Texte und Aussagen bekannt. Die einen verehren seinen Mut, sich gegen die Obrigkeiten aufzulehnen, andere halten so gar nichts von dem „gspinnerten“ Künstler.

Natürlich kenne ich als Bayer Söllners Werke, schließlich ist er auch in den Medien recht präsent. Musikalisch gehört Söllner tatsächlich auch nicht zu meinen liebsten Künstlern, mein Musikggeschmack ist völlig anders und ich lege auch mehr Wert auf die Musik an sich. Sein wenig bekannter Roman „Bloß a Gschicht“ aus dem Jahr 2005 hat mich jedoch berührt wie selten ein Werk zuvor. Nach eigener Aussage (ich habe ihn 2014 im Rahmen meiner Masterarbeit interviewed) schrieb Söllner dieses Buch nur, weil ihm im Urlaub langweilig war. Doch es bietet einen faszinierenden Einblick in die Ansichten des Künstlers, die für viele vielleicht in seiner Musik eher wirr erscheinen. Der Roman scheint eine Mischung zu sein aus Söllners eigener Biografie und einer utopischen Geschichte einer Stadtbevölkerung, die sich von Deutschland frei kauft und von da an völlig autonom und untereinander in Frieden leben. Und tatsächlich, so verrückt klingen die Pläne überhaupt nicht. Gerade die Aussage, dass die Menschen sich nicht alle lieben sondern nur respektieren müssten, um Frieden zu schaffen, zeigt sogar einen guten Anstoß für das eigene Handeln. Doch so idyllisch ist auch diese Traumvorstellung Söllners nicht. Die Autonomen werden von den anderen angegriffen, ihr Eigentum wird zerstört und irgendwann müssen sie sich eingestehen, dass ihre Ideale auf dieser Welt einfach noch kein Bestehen haben können.

Besonders ist noch zu erwähnen, dass Söllner das Buch im bairischen Dialekt verfasst hat, denn Sprache und Dialekt sind sein stärkstes Ausdrucksmittel. Aber keine Sorge, gleich im Anhang ist der Text auch ins Hochdeutsche übersetzt.

Münchner sollten übrigens immer mal wieder auf die Seite des Musikers und Regisseurs Peter Pichler schauen, der eng mit Söllner zusammen arbeitet. Dieser arbeite den Roman nämlich in ein Theaterstück mit der Musik Söllners um und dies wird immer mal wieder mit dem Schauspieler Stephan Zinner aufgeführt.

Bloß a Gschicht beim Trikont-Verlag

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Bettina Belitz – Panthersommernächte

©Loewe Verlag

Unter Ninas Bett liegt ein schwarzer Panther. Eine lebendige, wilde Raubkatze, die urplötzlich in der Kleinstadt aufgetaucht ist und die Bürger in Angst und Schrecken versetzt. Während draußen schon der Schützenverein zur Jagd auf „die Bestie“ bläst, ist es Nina gelungen, Kontakt zu dem Tier aufzunehmen. Sie spürt den geheimnisvollen Zauber des Panthers, der sich sogar von ihr berühren lässt. Aber ein Panther ist kein Schmusekätzchen. Er braucht Freiheit und vor allem täglich jede Menge frisches Futter. Hilfe bekommt Nina von ihrem Klassenkameraden Lionel. Ausgerechnet, denn Lionels Vater ist der Anführer der Panther-Jagdgesellschaft.

Bettina Belitz entwirft eine Welt, die vielen von uns bekannt vorkommen dürfte: eine normale Kleinstadt, normale Teenager, normale Schule, fast normale Eltern. Sie füllt diese normale Welt jedoch mit Magie: zuallererst natürlich mit der Magie des Panthers, der plötzlich in dieser Kleinstadt  auftaucht. Zwischen ihm und Nina besteht eine besondere Beziehung und die Autorin hat diese Beziehung auch an den Leser weitergegeben. Dieser Panther hat mein Herz berührt.

Bettina Belitz füllt diese normale Welt aber auch mit der Magie der ersten Liebe, mit der Magie des Vertrauens, in sich und in andere, mit der Magie des Erwachsenwerdens und nicht zuletzt mit der Magie des Eiskunstlaufens. Sie zeichnet mit leichter Hand eine Welt, die einen gefangennimmt und an die Herzen der Protagonisten führt. Dazu kommt eine wirklich spannende, aber gleichzeitig auch humorvolle Umsetzung  des Coming-of-Age-Themas, der diesen Jugendroman auch für Erwachsene sehr lesenswert macht. Ich konnte micht nur schwer von Nina, Lionel und natürlich Spirit trennen.

Bettina Belitz, geboren 1973 in Heidelberg, verliebte sich schon früh in die Magie der Buchstaben. Lesen allein genügte ihr bald nicht mehr – nein, es mussten eigene Geschichten aufs Papier fließen. Nach dem Studium arbeitete Bettina Belitz als Journalistin, bis sie ihre Leidenschaft aus Jugendtagen zum Beruf machte. Heute lebt sie umgeben von Pferden, Schafen, Katzen und Hühnern in einem 400-Seelen-Dorf im Westerwald und lässt sich von der Natur und dem Wetter zu ihren Romanen inspirieren.

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Jean Bagnol – Commissaire Mazan und der blinde Engel

Es ist ein goldener September kurz vor der Weinlese in Mazan, als die von Liebeswirren gestresste Mordermittlerin Zadira Matéo um Amtshilfe gebeten wird. Eine bizarre Pariser Mordserie scheint mit den verstörenden Bildern des gerade in die Provence übergesiedelten Malers Etienne Idka zusammenzuhängen. Commissaire Mazan, der Katzenermittler, könnte Zadira helfen. Denn er kennt den „blinden Engel“ an Idkas Seite, der das Geheimnis um die rätselhaften Bildermorde entschlüsseln kann.

Zum zweiten Mal gelingt es Nina George und Jo Kramer, einen sehr spannenden Krimi zu schreiben, der teilweise aus Katzensicht erzählt wird und trotzdem nicht künstlich oder aufgesetzt wirkt. Im Gegenteil, sowohl die menschlichen als auch die tierischen Protagonisten sind für mich so lebendig, dass ich am Liebsten immer weiter gelesen hätte, um weiter an ihrem Leben teilzuhaben. Ich kann diesen Roman deshalb nicht nur Katzenliebhabern, sondern allen Krimifans empfehlen.

Wieder zeichnen die Beiden ein so mehrdimensionales Bild der  Provence, der Landschaft und ihren Bewohnern, dass der Leser sich als Bewohner dieses kleinen Ortes fühlt, in dem unter der bürgerlichen Oberfläche die Abgründe einer Gesellschaft lauern, die rücksichtslos ihre Gier nach immer mehr Genuß auslebt.

Gleichzeitig kommt aber auch eine neue Note in das Duftpotpourri des Romans: diesmal geschehen Morde in Paris und Zadira wird von einem dortigen Ermittler, der ihr privat besser gefällt als dienstlich, um Amtshilfe gebeten. Pariser sind weder bei den Marseillesen noch bei den Provenzalen besonders beliebt und so gestaltet sich die Zusammenarbeit schwierig. Als dann aber ein dritter Mord in der Provence geschieht, ist es Zadira, die näher am Fall und an den Menschen ist. Dabei verzichten die Autoren auf blutige Szenen und setzen eher auf das hervorragend funktionierende Kopfkino. Bei aller Spannung gibt es aber auch immer wieder Szenen, die mich laut auflachen ließen, zum Beispiel wenn Tin-Tin sich totstellt und keiner seiner Katzenkumpels es ernst nimmt.

Besonders gefallen hat mir, dass Lucien Brell hier einen eigenen Fall zu lösen hat, er ist sicher die liebenswerteste Nebenfigur, außer der Katzengang natürlich. Die hat hier einen eigenen Fall zu lösen, Manon ist verschwunden und schwebt in Lebensgefahr.

Einfühlsam und für jeden Katzenbesitzer absolut nachvollziehbar sind die Teile aus der Sicht von Commissaire Mazan erzählt, der sich, genau wie sein menschliches Gegenstück Zadira, in diesem Roman weiterentwickelt, über sich selbst lernt und den Leser so in seinen Bann zieht, dass man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht.

Hier geht es zur Leseprobe, hier zu einem Interview, das ich mit den Autoren zum Erscheinen des ersten Bandes geführt habe, und hier zu einem Lesungsbericht.

Jean Bagnol Jean Bagnol ist das Pseudonym des Schriftsteller-Ehepaares Nina George und Jens „Jo“ Kramer.

Die Spiegel-Bestsellerautorin George und der Journalist, Pilot und Schriftsteller Kramer sind seit 2006 verheiratet, leben in Hamburg, schreiben unter insgesamt sieben Namen und Pseudonymen und veröffentlichten bisher insgesamt 29 Solowerke (Romane, Sachbücher, Thriller, historische Romane).
George und Kramer wurden bisher dreimal – einzeln – für den DeLiA, den Preis für den besten deutschsprachigen Liebesroman, nominiert; 2011 gewann George ihn mit dem Knaur-Roman „Die Mondspielerin“.
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Jojo Moyes – Weit weg und ganz nah

Originaltitel: The One plus One

512 Seiten
Mai 2014 erschienen

Zur Autorin (vom Verlag)
Jojo Moyes, geboren 1969, hat Journalistik studiert und für die «Sunday Morning Post» in Hongkong und den «Independent» in London gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf einer Farm in Essex.

Zum Inhalt (Vom Verlag)
Einmal angenommen …

… dein Mann hat sich aus dem Staub gemacht. Du schaffst es kaum, deine Familie über Wasser zu halten. Deine hochbegabte Tochter bekommt eine einmalige Chance. Und du bist zu arm, um ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Plötzlich liegt da ein Bündel Geldscheine. Du weißt, dass es falsch ist. Aber auf einen Schlag wäre dein Leben so viel einfacher …

Und einmal angenommen, du strandest mitten in der Nacht mit deinen Kindern am Straßenrand – und genau der Mann, dem das Geld gehört, bietet an, euch mitzunehmen. Würdest du einsteigen? Würdest du ihm irgendwann während eures verrückten Roadtrips gestehen, was du getan hast?

Und kann das gutgehen, wenn du dich ausgerechnet in diesen Mann verliebst?

Meine Meinung
„Weit weg und ganz nah“ ist das neuste Buch aus der Feder von Jojo Moyes, deren sehr erfolgreiches „Ein ganzes halbes Jahr“ und das bisher leider nicht übersetzte „The Girl You Left Behind“ (Das Mädchen, das Du zurückgelassen hast) mich sehr beeindruckt hatten. Weil die Geschichten an sich vielleicht noch nicht mal besonders originell waren, Jojo Moyes es jedoch verstand, etwas Besonderes daraus zu machen, die Figuren mit Leben zu füllen und authentisch wirken zu lassen. Weil sie so fesselnd erzählt, dass ich die Lektüre bzw. das Hörbuch nur ungern unterbrach.

Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an „Weit weg und ganz nah“, zu hoch. Im Prinzip verrät der Klappentext schon alles und die Figuren sind schablonenhafter als in den anderen beiden Büchern. Die Ausgangssituation ist durchaus glaubwürdig.

Die alleinerziehende Jess Thomas arbeitet mit einer Freundin als Putzfrau in der örtlichen Feriensiedlung und abends in der Kneipe, um sich selbst, ihre Tochter Tanzie und den bei ihr lebenden Sohn Nicky ihres Noch-Mannes über Wasser zu halten. Verständlich, dass der seit Jahren andauernde Überlebenskampf sie etwas bitter und misstrauisch gemacht hat, zu einer wahren Tigermutter. Allzu gerne würde sie ihrer mathematisch hochbegabten Tochter besser Möglichkeiten bieten, kann jedoch die finanziellen Mittel nicht aufbringen. Nicht zuletzt, weil sie auf jegliche finanzielle Unterstützung ihres Noch-Mannes verzichtet, sich nicht damit auseinandersetzen will.

Einer ihrer Kunden ist Ed Nichols, der zwar sehr vermögend ist, jedoch dieses Vermögen und seine Freiheit verlieren könnte. Und wenn ich boshaft wäre, würde ich ihn als den weißen Ritter am Horizont darstellen, der flugs alle Probleme löst.

Sicherlich beschreibt Jojo Moyes überzeugend und glaubwürdig die Probleme der Hauptfiguren, mal aus Sicht der Erwachsenen, mal aus den Augen der Kinder. Jede einzelne Figur hat massive persönliche Probleme und Selbstzweifel,darüber hinaus tauchen irgendwie ständig neue Probleme auf. Der gelegentlich aufblitzende Humor wirkt eher aufgesetzt oder gar wie Slapstick und teilweise brach ich die Lektüre entnervt ab, weil es gar zu unglaubwürdig wurde. Während Jess und Ed streckenweise fast überzeichnet wirkten, bewegten mich die Gedanken und das Schicksal von Tanzie und Nicky deutlich mehr.

Schade, denn die Grundidee und Jojo Moyes‘ Schreibstil bieten eine Menge Potenzial, vielleicht wäre es besser gewesen, der Roman hätte nur 400 statt 512 Seiten. Oder vielleicht war es einfach nur der falsche Zeitpunkt für mich.

Fazit
Das neuste Buch von Jojo Moyes reicht meiner Meinung nach bei weitem nicht an „Ein ganzes halbes Jahr“ heran, weder von der Figurenzeichnung noch vom Suchtfaktor. Dafür ist die Handlung meiner Meinung nach zu durchschaubar, es gibt zu viele Probleme. Die ersten 100-150 Seiten und die letzten rund 100 Seiten sind gelungen, der Mittelteil hat deutliche Längen.

„Weit weg und ganz nah“ konnte mich nicht so recht fesseln, obwohl die Figuren insgesamt gut gezeichnet waren, insbesondere die beiden Kinder. Irgendwie fehlte das besondere Etwas. Das Ende ist passend und versöhnte mich wieder ein wenig mit dem Buch.

 

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Alan Bradley – Flavia de Luce 6: Tote Vögel singen nicht

8:07 Stunden
ungekürzte Lesung
Sprecherin: Jayne Entwistle
Hörprobe beim Verlag *klick*

Zum Autor
Alan Bradley wurde 1938 geboren und ist in Cobourg in der kanadischen Provinz Ontario aufgewachsen. Nach einer Karriere als Elektrotechniker, die schließlich in der Position des Direktors für Fernsehtechnik am Zentrum für Neue Medien der Universität von Saskatchewan in Saskatoon gipfelte, hat Alan Bradley sich 1994 aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen, um sich nur noch dem Schreiben zu widmen.

Zur Sprecherin
Jayne Entwistle ist eine britische Hörbuchsprecherin, die in Los Angeles lebt. Für ihre herausragende Sprecherleistung bei den Hörbüchern der Reihe um Flavia de Luce wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet.

Zum Inhalt (freie Übersetzung des englischen Klappentextes)
An einem Frühlingstag im Jahr 1951 versammelt sich die 11-jährige leidenschaftliche Chemikerin und Detektivin Flavia de Luce mit ihrer Familie am Bahnhof von Bishop’s Lacey. Der Anlass ist die Rückkehr ihrer lange verschollenen Mutter Harriet. Kurz nachdem der Zug mit Harriets Sarg eingetroffen ist, wird Flavia von einem großen Fremden angesprochen, der ihr eine kryptische Botschaft zuflüstert. Gleich darauf ist er tot, weil ihn jemand aus der wartenden Menge vor den abfahrenden Zug gestoßen hat.

Wer war dieser Mann und was bedeuten seine Worte? Warum richtete er sie ausgerechnet an Flavia? Zurück in Buckshaw, dem zerfallenden Familiensitz der Familie de Luce, richtet Flavia ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Fall und findet eine alte Filmrolle mit ihr völlig unbekannten Aufnahmen, die sie zu einem Familiengeheimnis führen, in das auch Winston Churchill verwickelt zu sein scheint…

Meine Meinung
Die Vorfreude auf den sechsten Band der Reihe um die junge Flavia de Luce war so groß wie das Risiko, dass das Niveau der Vorgänger nicht gehalten werden kann.

Alan Bradley wartet diesmal mit einer ganz unerwarteten Ausgangssituation auf: Der Leichnam von Flavias Mutter wurde gefunden und nicht nur die gesamte Familie, sondern zahlreiche andere Ehrengäste sind am Bahnhof von Bishop’s Lacey versammelt um den Sarg zu empfangen. Wird wirklich das Geheimnis um ihr Verschwinden gelüftet und somit auch eine Last von Flavia genommen? Denn ihre Schwester werden nicht müde, ihr die Schuld am Verschwinden der Mutter zu geben. Andererseits stirbt nun auch endgültig die letzte Hoffnung, ihre Mutter könne doch noch lebendig auftauchen.

Flavia wirkt in diesem Band deutlich reifer, was sicherlich auch an den drastischen Umständen liegt. Ihr Vater ist überhaupt nicht ansprechbar, ihre Schwestern sehr angespannt, so wie auch der Rest der Anwesenden. Dann geschieht bei der Einfahrt des Zuges auch noch ein Mord, just jener Fremde stirbt, der kurz zuvor das Gespräch mit Flavia gesucht hatte.

Endlich ist Flavia nicht mehr die Jüngste, sondern ihre nicht minder intelligente und wenig zurückhaltende Cousine Undine. Für Flavia eine ganz neue Situation, die Ältere zu sein und ausgerechnet auf ein jüngeres Mädchen aufpassen zu müssen, das in mancher Hinsicht gebildeter ist als sie selbst und mindestens genauso neugierig. Grinsen Das deutsche Titelbild zeigt Flavia bei einer ganz neuen Erfahrung, die sie ihrer Mutter auf andere Weise näher bringt.

Die Entwicklung der bisher bekannten Hauptfiguren und auch das Verhalten von Undine sind glaubwürdig, jede geht anders mit dem Tod der Mutter bzw. Ehefrau um. Weniger glaubwürdig ist das Auftauchen einiger Prominenter, auch wenn früher schon angedeutet wurde, wie bedeutend die Familie de Luce früher war.

Natürlich spielen auch Flavias Labor und ihr detektivischer Spürsinn wieder eine Rolle, wobei sie sich in ihrer Verzweiflung zu sehr fragwürdigen Experimenten hinreißen lässt – was in ihrer Situation und zu jener Zeit nicht ganz unverständlich ist, wenn auch meiner Meinung nach etwas weit hergeholt. Eigentlich ist die Zeit zwischen den Bänden zu knapp, um die inzwischen deutliche Reifung von Flavia glaubwürdig erscheinen zu lassen, auf der anderen Seite bin ich froh, dass sie sich weiterentwickelt, was gerade in diesem Band natürlich sprunghaft passiert.

Der Kriminalfall ist diesmal wirklich eher eine Randerscheinung, Flavias Ermittlungen nehmen zwar einigen Raum ein, ihr Reifeprozess sowie zahlreiche Hintergrundinformationen über das frühere Leben ihrer Eltern deutlich mehr. Hinzu kommen auch Veränderungen bei Flavias Schwestern, das Leben in Bishop’s Lacey geht weiter und auch bei Flavia selbst stehen größere Veränderungen an.

Das Ende wäre auch perfekt passend für den Abschluss der Reihe gewesen, sehr glaubwürdig und stimmig, jedoch sind wohl inzwischen noch weitere vier Bände vorgesehen.

Die Stimme von Jayne Entwistle ist für mich inzwischen zu der von Flavia geworden, mal vorlaut, mal sehr verletzlich und stets den passenden Ton findend.

Fazit
Auch der sechste Band um die junge leidenschaftliche Chemikerin und Hobby-Detektivin Flavia de Luce ist unterhaltsam, wenn auch mit düsteren Untertönen als die Vorgänger. Der Leichnam von Flavias Mutter wurde gefunden und die Atmosphäre daher entsprechend ernster.
Flavia entwickelt sich deutlich und glaubwürdig weiter, auch die anderen Mitglieder ihrer Familie spielen wieder wichtige Rollen, insbesondere eine naseweise und hochintelligente jüngere Cousine.
Eigentlich sollte dieser Band den Abschluss der Reihe bilden, die jetzt auf zehn Bände ausgeweitet wird. Hoffentlich gelingt es Alan Bradley, Flavia auch die nächsten vier Bände ähnlich glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Die deutsche Fassung ist für Oktober angekündigt, die ISBN für das Hörbuch noch nicht verfügbar, diese trage ich dann nach.

P.S. Sam Mendes hat sich die Filmrechte gesichert und es ist ein TV-Serie geplant.

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Lesung Jean Bagnol, 22.10.2013, Café Katzentempel

Lesung Jean Bagnol Münchens erste Katzencafé, das Café Katzentempel, erwies sich als der ideale Schauplatz für die Lesung aus Commissaire Mazan und die Erben des Marquis. Zwar gäbe es von technischer Seite noch Optimierungsbedarf, aber der Raum, l-förmig mit dem Autorenehepaar im Winkel und daher von jedem Platz aus gut zu sehen, eignete sich gut für das Zusammentreffen von literarischem Kater und echten Katzen. Und obwohl der Raum proppevoll war, kam keiner der tierischen Bewohner zu Schaden. Außerdem gab es ein superleckeres vegetarisches Büffet, großes Kompliment an die Küche!

Dass hier die Katzen an erster Stelle stehen, wurde gleich zu Beginn deutlich: Nina George bat die Zuschauer, nicht zu klatschen, da dieses laute Geräusch die Katzen erschrecken könnte. Stattdessen sollten wir mit den Armen in der Luft wedeln. Und das taten wir ausgiebig an diesem Abend. In Anbetracht der tierischen Zuhörer hatten sich die beiden entschieden, mehr kätzische Teile aus dem Buch zu lesen und das ist wirklich sehr, sehr gut gelungen. Anfangs wurden die beiden Ermittler, die nach Mazan abgeschobene Polizistin Zadira Matéo und der herrenlose schwarze Kater, genannt Commisaire Mazan, vorgestellt. Später kamen noch ein attraktiver Tierarzt, ein sabbernder Hund, vier zwielichtige Gestalten, ein Mordopfer sowie jede Menge Katzenpersonal dazu. Nina George und Jo Kramer lasen hervorragend mit verteilten Rollen und führten den Text schon fast halbszenisch auf. Köstlich war Nina als Hund oder der Höhepunkt am Schluss (die Trapeznümmer – denken Sie sich jetzt einen französischen Akzent dazu), als zwei Autoren sechs verschiedene Katzen (die tierische Ermittlerbande oder auch KatzenNSA) lasen und diese sehr unterschiedlich ausgestalteten. So wurde an diesem Abend auch viel gelacht.

Zwischen den einzelnen Abschnitten, die klug gewählt waren und extreme Lust auf das Buch machten, erzählten die Autoren vom Schauplatz Mazan. Der Ort liegt im Schatten des Mont Ventoux, jedem Fahrradenthusiasten bestens bekannt von der alljährlichen Tour de France. Es gibt in der Innenstadt keine Autos, dafür aber jede Menge Katzen. Er hat einen Friedhof, auf dem eine große Anzahl von Merowinger-Sarkophagen zu bewundern sind, wenn man sie denn findet und nicht für die Friedhofsmauer hält.  Marquis de Sade hatte eine Residenz dort und begründete hier das erste Theaterfestival Frankreichs. Außerdem hat Keira Knightley dort geheiratet, aber erst nachdem sich das Autorenduo dort die Inspiration für ihren ersten gemeinsamen Roman geholt hat.

Aus dem Publikum kamen nach dem sehr gelungenen Vortrag Fragen nach der Zusammenarbeit als Ehepaar, worauf die beiden eine typische Szene beim Schreiben vorführten. Sie hatten sich die Protagonisten aufgeteilt und waren jeder für die deren Detailausgestaltung  zuständig. Jo Kramer, von Nina George auch liebevoll Katzenflüsterer genannt, übernehm dabei die Katzen. In den gelesenen Abschnitten konnte man feststellen, dass es ihm sehr gut gelungen ist, aus deren Sicht zu schreiben. Den Namen Bagnol haben sie sich vom Friedhof in Mazan geliehen und nicht von dem französchichen Wort für Klapperkiste, bagnole. Die Autoren haben noch Ideen für viele weitere Bände um das ungleiche Ermittlerduo und so kann man nur hoffen, dass es bald Nachschub gibt.

Eine sehr, sehr gelungene Lesung, die nicht nur den Roman, sondern auch die Menschen dahinter und den Entstehungsprozeß vorstellte. Danke Nina George und Jo Kramer für einen großartigen Abend!

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Interview mit Jens „Jo“ Kramer und Nina George alias „Jean Bagnol“

Jean Bagnol Ihr seid beide erfolgreiche Schriftsteller. Wie war die Zusammenarbeit?
N.G.: Aufregend. Sie war insofern aufregend, weil wir zusammen mehr Ideen hatten als alleine. In der Summe unserer Teile sind wir mehr als jeder allein. Andererseits, während normale Ehepaare sich ungefähr nur sieben Minuten am Tag unterhalten, mussten wir zusehen, dass wir mal sieben Minuten Ruhe hatten. Wir mussten unglaublich viel reden, was wer gerade schreibt, denkt, meint, plant…. Wir mussten uns ständig unterhalten. Das war sehr, sehr zeitaufwendig. Irgendwann haben wir zwei Zimmerwände mit Kapitelplänen, Figuren-Details und Plotideen tapeziert, um immer auf demselben Stand zu sein.
J.K.: Und wir haben gelernt, füreinander anstrengend zu sein – und sich trotzdem auszuhalten. Während man in einer normalen Zusammenarbeit sagen kann: „Ach komm, lass stecken, wir machen jetzt einfach weiter…“ ist es bei diesem Buch so gewesen: Wir mussten jede Unstimmigkeit ausräumen, denn sonst hätte es nicht geklappt. Wir mussten uns genau aufeinander einstimmen. Wenn das nicht hundertprozentig hinhaute, dann klappte die ganze Geschichte nicht. Wir mussten alle Eitelkeiten und Ängste vergessen, und uns mutig alles sagen, was wir wollen, und was wir nicht wollen.

Hat es euch vorangebracht im Hinblick auf eure eigenen Bücher?
N.G.: Absolut. Es gibt nichts Unausgesprochenes mehr zwischen uns. Wir haben geübt, Kritik zu üben. Wo man früher aus Nettigkeit oder Konfliktscheu verschwiegen hat, dass man fand: Oh, da ist eine Länge drin. Oh, die Figur ist nicht überzeugend, die gehört gar nicht in diese Geschichte! – haben wir jetzt trainiert, absolut ehrlich zu urteilen, ohne kränkend zu sein. So können wir jetzt gegenseitig unsere eigenen Projekte neu und freier beurteilen – frei von falscher Rücksicht. Für meine eigene Arbeit hat mir das sehr viel gebracht: Ich habe zwar immer noch einen Hang zu Reflexion und Landschaftsbeschreibung ohne Ende, aber das spare ich mir jetzt zum Beispiel beim Lavendelzimmer-Nachfolger. Das hat mir die Arbeit mit Jens gebracht: die eigenen Schwächen zu minimieren. Und die Stärken zu erkennen.
J.K.: Stimmt: Wir haben sowohl die Schwächen als auch die Stärken des anderen kennengelernt. Wir waren ja zum Teil im gleichen Kopf. Dadurch konnte ich sehen, wie Nina mit Sprache, Stil, Dramaturgie und Metathemen arbeitet, und sie konnte einiges von mir abgucken; Dialoge, Ironie, kreatives Chaos. Ich bin davon überzeugt, dass unsere gemeinsame Arbeit uns beiden neue Tricks beigebracht hat.

Wie kam es zu dem Projekt?
J.K.: Manche Romane entstehen im Kopf. Sie sind geplant, durchdacht, mit Zeit und Strategie erarbeitet. Und ganz selten – und das sind oft auch die richtig tollen Romane –, da entsteht die Geschichte praktisch durch eine Offenbarung, wie eine Ohrfeige aus dem Nichts: Auf einmal sieht man eine Szene, denkt einen Schlüsselsatz, sieht eine Figur. Nur ein Augenblick, und man denkt: „Wow! Das ist es!“ In unserem Fall haben wir beide etwas wahrgenommen. Eine bestimmte Beobachtung. Und wir haben uns angeguckt und haben gewusst, wie im Kopf des anderen die gleiche Idee entstand. Das war gelinde gesagt: irre. Null Strategie, sondern eine Musenwatsche.
N.G.: Zuerst hatten wir sogar die Idee, einen Koch und einen Gourmet-Kater ermitteln zu lassen. Aber wir haben gemerkt, dass der Koch mich – weil ich die Figurenhoheit über ihn gehabt hätte – nicht genug reizt, nicht für eine Serie. Dann haben wir gemeinsam die halbalgerische Drogenfahnderin Zadira entwickelt, während Jo sich den Kater vornahm. Wir hatten die Idee am Abend des 6.7.2012 in Mazan, 442 Tage später hatten wir das Ding ausgeliefert auf dem Tisch. Und dazwischen waren wir in der Zone des Wahnsinns. Schreiben, planen, zweifeln, streiten, versöhnen, weiter schreiben.
J.K: Die erste Zeit, in der wir uns nur darüber unterhalten haben, was wir aus dieser Grundidee machen könnten, war die schönste. Weil wir da noch nicht arbeiten, sprich: schreiben, planen, abwägen, entscheiden mussten! Wir haben die Wochen, in denen wir nicht geschrieben sondern gemeinsam auf dieser Idee herumgekaut haben, wahnsinnig genossen. Das ist sowieso immer das Schönste am Schreiben – entweder noch nicht zu schreiben oder schon geschrieben zu haben. Das Dazwischen ist leider unglaublich unromantisch.

Wie war das, einen Kater zu schreiben?
J.K.: Ich habe mich erstaunlicherweise recht schnell in die Katerpersönlichkeit einfinden können. Sich in eine Figur hinein zu versetzen gehört zur serienmäßigen Aussattung eines Autoren. Mann, Frau, Kind, Killer, Käfer, Kater … Man beobachtet, man studiert die Verhaltensweisen und versucht, die Lücken des Nicht-Wissens – die wir natürlich haben; wir wissen nicht, wie eine Katze denkt –, diese Lücken des Nicht-Wissens zu füllen. Das gelang ganz gut, so dass ich die Hälfte wieder rausschmeißen musste, sonst wäre der Roman 600 Seiten lang geworden.
N.G.: Irgendwann war die Geschichte so überbevölkert mit den charmanten Weltherrschern, dass der Krimiplot sich schamhaft in eine Ecke drückte.

Jean Bagnol Hast du ein Anschauungsobjekt gehabt?
J.K.: In der letzten Phase hatten wir einen Besuchskater, Gigi, ein Britisches Kurzhaar, das nur fließend Wasser trinkt und lieber Plastikfalter als Kunstmäuse jagt.
Ich war mein halbes Leben Katzenbesitzer, in meinem Wohnhaus in Eimsbüttel gibt es etliche Katzen, die täglich bei mir hereinschauen. Katzelein, Schröder, Mikesch … also, Rohmaterial läuft genug in der Gegend herum (lacht). Jeder, der Katzen hat, weiß, dass Katzen eigene Charaktere haben. Das hat besonderen Spaß gemacht, diese unterschiedlichen Katzenpersönlichkeiten darzustellen. Den dicken Faulen Oscar. Die feinfühlige Louise, die ein bisschen eingebildet ist, weil sie lesen kann. Den zünftigen, aber herzensguten Revierschläger Rocky, der nicht mehr mitbekommt, wenn Katzendamen etwas Bestimmtes von ihm wollen. Es gibt diese Katzentypen überall, ich konnte sie so aus dem Erleben herausgreifen.
N.G.: Ich muss verraten, dass Jo ein Katzenflüsterer ist. Wenn wir in der Fremde sind – zuletzt in Oxford – und die Katzen zur Nacht heraus kommen: Innerhalb kürzester Zeit sind die bei ihm! Da kann ich noch so süß locken: (Nina flötet: ) „Ja, halloo, wer bist du denn, du bist ja ein süßes Mädchen…“ Die ignorieren mich und krabbeln gleich auf Jo herum. Wir können nicht einmal Nachts spazieren gehen, ohne dass ihm was Pelziges hinterher maunzt. Es scheint also, als ob sie in dir irgendeine kätzische Seelenverwandtschaft spüren.
J.K.: Wahrscheinlich war ich in meinem letzten Leben eine Katze.
N.G.: Wahrscheinlich. Katzen sind die besseren Menschen, aber du hast was angestellt und wurdest zum Mensch zurück „degradiert“. Und sicher warst du ein schmusiger Kater in Mazan – dieses Städtchen im Vaucluse war für uns das totale „Katzablanca“. Es besitzt eine mittelalterliche Innenstadt ohne Autos, in der nur Katzen herumlaufen! Wir haben an fünf Abenden so viele unterschiedliche Katzentypen kennengelernt. Die schüchterne Schwarzweiße, die nur im Schatten läuft, die lässige Gescheckte, die so lange auf dem Auto liegen bleibt, bis es los fährt, der freche Schwarze, der einem die Wurst vom Teller zieht. Da haben wir uns auch bedient für die literarische Katzenbande.

Wie seid ihr auf den Namen gekommen, Bagnol?
N.G.: Der stand in Mazan auf ganz vielen Grabsteinen – der Friedhof dort ist berühmt für seine neunundsechzig Merowinger-Sarkophage, für Fans der Bestattungskultur ein echtes Highlight. Zuerst sollte der ermittelnde Koch so heißen, aber dann haben wir uns entschieden, Jean Bagnol für unser Pseudonym zu verwenden.

Gibt es schon weitere Pläne für Jean Bagnol?
N.G.: Wir haben Ideen für weitere elf Folgen. Aber wir müssen erst noch absprechen, welche als nächstes verwirklicht werden soll.

Dann herzlichen Dank und viel Erfolg!
Die Bagnols: Vielen lieben Dank – merci und „mau“!

Jean Bagnol ist das Pseudonym des Schriftsteller-Ehepaares Nina George und Jens „Jo“ Kramer. Die Spiegel-Bestsellerautorin George und der Journalist, Pilot und Schriftsteller Kramer sind seit 2006 verheiratet, leben in Hamburg, schreiben unter insgesamt sieben Namen und Pseudonymen und veröffentlichten bisher insgesamt 29 Solowerke (Romane, Sachbücher, Thriller, historische Romane). George und Kramer wurden bisher dreimal – einzeln – für den DeLiA, den Preis für den besten deutschsprachigen Liebesroman, nominiert; 2011 gewann George ihn mit dem Knaur-Roman „Die Mondspielerin“. „Commissaire Mazan und die Erben des Marquis“ ist der erste gemeinsame Jean-Bagnol-Provencethriller des Schriftsteller-Ehepaares Nina George und Jo Kramer. Sie wären beide gerne als Katzen auf die Welt gekommen, müssen sich aber damit begnügen, die Samtpfoten zu erforschen und erstmals über sie zu schreiben. Als Provence-Liebhaber und Spannungsautoren kam ihnen die erste Idee zu „Commissaire Mazan und die Erben des Marquis“, als sie im Château de Mazan im Vaucluse ihren zukünftigen Helden auf leisen Pfoten (und mit unwiderstehlicher Eleganz) eine Thunfischpastete stehlen sahen. Mehr über Jean Bagnol: www.jeanbagnol.com. Mehr über Jens „Jo“ Kramer: www.jensjohanneskramer.de. Mehr über Nina George: www.ninageorge.de.

Fotos ©Angelika Scholz/Knaur

 

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Neuigkeiten von Janet Clark finden sich zum Beispiel auf ihrer Facebook-Seite. So liest sie zum Beispiel am 27.02.2013 in der Gemeindebücherei Ismaning im Rahmen der Ladies Crime Night.

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