Wie schon SpongeBob, der sprechende Schwamm, sagte: “A man’s gotta do what a man’s gotta do.” Wobei die Tatsache, dass an diesem Buch drei Autoren beteiligt waren, schon darauf hindeutet, dass auch der männlichste Mann teilweise überfordert ist mit dem Anspruch, alles zu können und dabei noch cool auszusehen. Aber Hilfe naht, die Autoren haben sich umfassend informiert. Bei den zwischenmenschlichen Themen wird generell auf den Knigge verwiesen. Gute Manieren werden immer geschätzt, auch beim Bordellbesuch, oder wenn Mann eine Beziehung beendet. Die Varianten “Per SMS” oder “Kurz Zigaretten holen” finde ich richtig originell. Man kann auch eine Agentur beauftragen. Die Autoren bevorzugen die Gesprächsmethode. Wenn sie meinen. Geschenkt. Interessanter sind die Kapitel “Pokern”, “Jonglieren”, “Eine Bombe entschärfen”, “Dinner mit der Queen” und, mein Favorit, das Setzen eines Luftröhrenschnitts. Auch die Exkurse zu den Themen Weine, Zigarren, Fechten und Formel-1-Wagen fahren deuten darauf hin, dass da als Ideal immer noch James Bond in den Hinterköpfen ist.
Echte Männer müssen ihre Männlichkeit anscheinend hin und wieder in Extremsituationen beweisen, zum Beispiel “In die Fremdenlegion eintreten”, “Ein Duell führen” oder “Die erste Verabredung organisieren”. Witzig ist auch das Kapitel “Bei der Geburt dabei sein”. Was Männer im Kreißsaal eigentlich zu suchen haben, hat sich mir noch nie so richtig erschlossen. Warum die meisten werdenden Väter bei der Geburt überhaupt dabei sein wollen, ist mir auch nicht so ganz klar. Sensationsgier? Die Frau braucht zwar eine vertraute Person um sich herum, aber ob das ein Mann sein sollte, da habe ich doch sehr meine Zweifel. Was James Bond wohl zu so einem Ansinnen sagen würde? Ich denke immer wieder gerne daran, wie mir eine Freundin erzählte, dass bei der Geburt ihres Babys ihr Mann sie mit kaum verhohlener Ungeduld fragte, ob sie den Vorgang denn nicht ein bisschen beschleunigen könnte. Irgendwie war ihm wohl langweilig, kann man ja verstehen, sowas zieht sich zuweilen wie Kaugummi. Sie hatte aber in diesem Moment nicht viel Sinn für die komischen Aspekte dieser Frage, und die Ehe hielt dann auch nicht mehr besonders lange.
Dann gibt es natürlich vor allen Dingen jede Menge konkrete, praktische Tipps: Wenn Sie mal in die Verlegenheit kommen, eine Boeing 747 landen zu müssen: Dieses Buch sagt Ihnen, wie es geht. Wählen Sie nach Möglichkeit das Modell 747-400. Die 747-200 oder die 747-300 lassen sich nicht so gerne von Laien landen, aber einen Versuch ist es natürlich allemal wert. Weitere Themen sind: Junggesellenabschied, Priester werden, im Gefängnis sitzen. Pfeil und Bogen bauen. (Das Material dafür besorgt sich ein Mann natürlich nicht im Wald, sondern im Baumarkt.) Und ein richtiger Mann kann schon auch elegant (man kann ja nicht den ganzen Tag John Wayne spielen). Viele Tipps gibt es also zur Garderobenfrage; wer zum Dandy mutieren will, braucht aber ein anderes Buch. Besonders ins Auge gefallen ist mir dieser Hinweis:
Der Besuch einer Opernaufführung bedeutet eine Würdigung der außergewöhnlichen Arbeit der daran Beteiligten sowie allgemein der Kultur. Wählen Sie Ihre Kleidung dementsprechend.
Auch im umfassendsten Kompendium fehlen natürlich noch ein paar Details. In einer überarbeiteten Neuauflage wären meiner Meinung nach folgende Punkte aufzunehmen: Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Tanzen in der Disco (anstatt sich am Tresen festzuhalten). Frauen verstehen.
Eduard Augustin, Philipp v. Keisenberg, Christian Zaschke: Ein Mann. Ein Buch. Verlag: Goldmann, 2009. ISBN 978-3-442-47182-9
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