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Die DeLiA-Liebesromantage 2014 in Büsum

imageZugegeben, Büsum ist nicht gleich um die Ecke, aber die lange Fahrt dahin wurde mit einem wundervollen Wochenende belohnt. Besonders meine herzliche Aufnahme durch die Teilnehmerinnen hat die Tage zu etwas Besonderem gemacht.

Da ist zum einen der Ort selbst. Büsum hat ca 4800 Einwohner und durchschnittlich 16000 Touristen. Das ist für so ein großes Literaturevent wie die DeLiA-Liebesromantage schon eher klein, aber was der Ort auf die Beine gestellt hatte, konnte sich sehen lassen. Alle großen Publikumsveranstaltungen wurden im Gäste- und Veranstaltungszentrum abgehalten, das immerhin 300 Personen Platz bot für die große Gala mit Preisverleihung am Samstag Abend. Dazu kommt noch, dass der Ort wirklich ganz wunderbar am Wattenmeer liegt und die Zeit zwischen den einzelnen Veranstaltungen gestalteten sich so sehr erholsam.image

Offiziell los ging es für mich mit der langen Lesenacht am Freitag Abend. Moderiert wurde dieser Abend von Andrea Reichart, die die einzelnen Autorinnen und ihre jeweiligen Werke vorstellte. Zwischen den einzelnen Lesblöcken gab es immer wieder Pausen, in denen man am gut bestückten Büchertisch stöbern konnte oder mit den Autorinnen und Autoren ins Gespräch kommen konnte. Der Abend begann mit Elisabeth Büchle, die aus dem dritten Band Hoffnung eines neuen Tages ihrer damit vollendeten 1.-Weltkriegs-Trilogie las. Patricia Mennen entführte anschließend in das Indien des 19. Jahrhunderts mit einer spannenden Passage aus ihrem neuesten Roman Im Land der sieben Schwestern, der den Auftakt zu einer Trilogie bildet.

Im zweiten Block las Kerstin Gier in ihrer unnachahmlichen und natürlichen Art ebenfalls aus einem Auftaktband zur einer Trilogie, Silber – das 1. Buch der Träume, bevor Angelika Schwarzhuber das Publikum mit Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück auf witzige Weise das Publikum ins tiefste Bayern entführte. Am Ende dieses kurzweiligen Abends stellte Tania Krätschmar noch ihren Roman Eva und die Apfelfrauen vor sowie das erfolgreiche Autorenehepaar Iny und Elmar Lorentz den zweiten Teil ihrer Mexiko-Auswanderersaga Der weiße Stern. Eine sehr gelungene Veranstaltung, die die Vielfalt der in der Autorenvereinigung DeLiA vertretenen Schriftsteller repräsentierte.

Weiter ging es am Samstag Vormittag mit der Preisverleihung im Kurzgeschichten Wettbewerb. Hier gab es zwei verschiedene Ausschreibungen, einmal für Schüler der Jahrgangsstufen 8 -10 und 11 – 13, die in Zusammenarbeit mit einer Schule vor Ort durchgeführt wurde, und einmal eine für Erwachsene, die im gesamten deutschsprachigen Raum durchgeführt wurde. DeLiA-Präsidentin Rebecca Michèle erläuterte, dass die Jugendförderung ein erklärtes Ziel der Organisation sei und es gar nicht so einfach ist, eine gute Kurzgeschichte zu schreiben. Sie selbst würde lieber Romane mit 700 Seiten abliefern. Die Vorsitzende der Jugendjury wie auch der Bürgermeister Maik Schwartau und der Vertreter der Sparkasse  betonten die Qualität der eingereichten Kurzgeschichten der Schüler, zeigten sich aber gleichzeitig betroffen darüber, dass das Thema “Wellen” sehr viele depressive Geschichten hervorbrachte. Die Gewinnergeschichten, Wellen der Erinnerung von Marieke Bühl in der Jahrgangsstufe 8-10 sowie Die Kraft eines Geistes von Timo Stecker, wurden von den beiden vorgetragen und hatten hohes literarisches Niveau. Von beiden wird man sicher hören, wenn sie eine literarische Laufbahn einschlagen.

Der Kurzgeschichtenwettbewerb für Erwachsene hatte das etwas weiter gefasste Thema “Büsum oder Nordsee” und handelten nach Aussage der Jury ebenfalls viel von unglücklicher Liebe und es gab wenige Happy Ends. bei allen drei prämierten Geschichten sei man sich einig  gewesen. Es wurden 56 Geschichten eingereicht, die den Kriterien entsprachen. Den 3. Platz belegte Verena Jenner mit Eine zweite Chance, auf den 2. Platz kam Felicita Brandt mit Spuren im Sand und zur Siegerin wurde Leonie Lastella gekürt mit der sehr feinen Kurzgeschichte Tropfen auf unserer Haut.  Der kurzweilige Vormittag endete mit der musikalischen Umrahmung der Kurband.

imageHöhepunkt war dann die Gala am Samstag Abend zur Verleihung des DeLiA-Literaturpreises für den besten Liebesroman 2013. Die Moderation lag wieder in den bewährten Händen von Andrea Reichart, die souverän und kurzweilig durch den Abend führte. Sie nutzte die Gelegenheit, die Geschichte und die Ziele von DeLiA den zahlreich erschienenem Publikum vorzustellen. Die Autorenvereinigung DeLiA wurde 2003 von 12 Autorinnen gegründet und zählt mittlerweile fast 200 Mitglieder. Sie widmet sich genreübergreifend der Förderung des deutschsprachigen Liebesromans. Denn: ohne Liebe ist alles nichts!

2004 wurden 36 Romane für den DeLiA-Literaturpreis eingereicht,  für dieses Jahr schlugen 74 Verlage Romane vor, von denen 195 zugelassen wurden. Und das sind die Romane, die es bis auf die Shortlist geschafft haben:

Doch bevor es zur Preisverleihung ging, wurde erst das Lovely Cover prämiert. Dieses Jahr erhielt Micaela Jary und ihr Roman Das Bild der Erinnerung den begehrten Publikumspreis.

Schliesslich wurde der dritte Platz bekannt gegeben: er ging an René Freund und Liebe unter Fischen. 

Die Meinung der Jury (bestehend aus Stefanie Gerstenberger, Katrin Müller, Cosima B. Quirini, Britt Reissmann und Vorsitzende Petra Schier):

Dem Autor gelingt es auf herausragende Weise, das Besondere im Alltäglichen greifbar zu machen. Seine Liebesgeschichte ist mit Humor gewürzt, und sein Held mit all seinen Fehlern und Macken sympathisch und liebeswert. Ein Lesegenuss.

Der zweite Platz ging an Philipp Andersen und Miriam Bach für ihren bewegenden Roman Warte auf mich.

Die Meinung der Jury:

Die Geschichte einer Affäre zwischen einem älteren Schriftsteller und einer jungen Kollegin, die zu einer Liebesbeziehung wird, ist von der ersten Zeile an packend geschrieben. Durch die abwechselnde Sicht der beiden Hauptfiguren, taucht man als Leser in die unterschiedliche männliche und weibliche Welt der Gefühle ein. Man meint diese Welt der Verliebtheit, die zu Liebe wird, der Zwänge, der mutigen Vorstöße und der verwirrten Rückzieher, zu kennen, und wird doch von der unprätentiösen, klaren und gleichzeitig sehr sinnlichen Erzählweise und dem Ende überrascht.

Der erstplatzierte Roman war wie im letzten Jahr ein Jugendbuch, Julie Leuze und Der Geschmack von Sommerregen.

Die Meinung der Jury:

Sophie und Matti verlieben sich ineinander, doch bevor sie miteinander glücklich werden, muss Sophie noch einiges über sich, ihre Familie und ihr geheimnisvolles Farben-Sehen lernen. Endlich mal ein Jugendbuch, das auf spannende und wunderschöne Weise die erste Liebe und den ersten Sex beschreibt, dabei aber das alberne Augenzwinkern und die gewollt coole Jugendsprache weglässt. In Julie Leuzes klischeebefreiten Charakteren kann man sich mühelos wieder finden, auch wenn man schon ein bisschen älter ist.

Im Anschluß an die Preisverleihung wurde noch bis spät in die Nacht gefeiert. Eine sehr schöne und gut organisierte Gala!

Natürlich gab es nicht nur die hier aufgeführten Veranstaltungen. Darüber hinaus gab es Schullesungen, Workshops, ein Werkstattgespräch und eine Signierstunde. Es war also wirklich viel geboten für das zahlreiche Publikum. Die nächsten DeLiA-Literaturtage finden vom 28.05. – 31.05.15 in Sulzbach im Saarland statt. Literaturbegeisterte sollten sich diesen Termin schon ganz dick im Kalender anstreichen.

 

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Philipp Andersen/Miriam Bach – Warte auf Mich

Können, ja dürfen zwei Menschen sich lieben, von denen einer glücklich verheiratet ist und die andere auf gar keinen Fall Geliebte sein will? Nach der Lektüre von “Warte auf mich” bin ich der Ansicht, ja, es geht und man kann glücklich dabei sein.

Supererfolgreicher Schriftsteller trifft junge Nachwuchskollegin, man ist von einander angezogen und verbringt eine Nacht miteinander, in der aber körperlich nicht viel passiert, dafür umso mehr in den Köpfen. Er ist sehr interessiert, sie eher nicht, man tauscht Bücher aus, verliebt sich über die Lektüre. Er wirft sich mit seinem ganzen Sein in die Beziehung, sie ist eher zurückhaltend und versucht auf ihren Verstand zu hören, der ihr sagt, dass eine Dreiecksgeschichte nichts für sie ist. Bis zu dem Punkt, an dem sie erkennt, dass sie Philipp wirklich liebt.

Das ist eigentlich mein einziger Kritikpunkt an diesem an sich ganz wunderbaren Roman: die Protagonisten heißen genauso wie die Autoren. Kann man dann davon ausgehen, dass die Geschichte sich so, oder so ähnlich, tatsächlich ereignet hat? Einer fiktiven Figur möchte ich durchaus so nahe sein, aber nicht einem wirklichen Menschen, den ich vielleicht schon morgen an der Supermarktkasse kennenlerne.

Und diese Geschichte fühlt sich sehr real an. Das mag daran liegen, dass seine Seite in der ich-Form geschrieben ist. Dass er sehr viele Dinge tut, die man selbst schon erlebt hat, wie bei Facebook oder WhatsApp nachsehen, wann der andere das letzte Mal online war. Und wenn er gerade online ist, sich ihm oder ihr nahe fühlen. Das mag auch daran liegen, dass ihre Sichtweise distanzierter ist, und sie sich aber trotzdem irgendwann einmal ganz und gar hingibt. Die Himmelfahrten, wie sie ihre kleinen Treffen genannt haben, die strotzen nur so vor Glück, dass man selbst gleich mit glücklich ist. Es hat mich berührt, so tief in eine Beziehung eintauchen zu dürfen, aber manchmal halt auch leider ein ganz kleines bisschen unangenehm.

Wenn man diese Vorbehalte nicht hat, ist es ein unschlagbar schöner Liebesroman.
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