Die Monroe sagte mal, sie bräuchte fünf Stunden, um sich in Marilyn zu verwandeln. Die Maskenbildnerinnen vom Gärtnerplatztheater sind da schneller, und das Ergebnis ist auch sehr gut… Die Abschiedsvorstellung von La Cage aux Folles war keineswegs so melancholisch, wie ich gedacht hatte. Es wird neue Produktionen und Projekte geben, das Leben geht weiter, the show must go on. Das Stück wird getragen von Christoph Marti als Albin bzw. Zaza, mit seiner tollen Stimme und seiner intensiven Darstellung. Diese Stimme sagt: Ich stehe hier zwar zwischen Kulissen, aber meine Gefühle, die sind echt. Hardy Rudolz, der seinen Partner George spielt, hat eine ganz andere Art von Bühnenpräsenz, ein Siegerlächeln und die Körpersprache dazu, und am allerbesten ist er, wenn er kurz improvisiert oder wenn er sich verspricht und daraus einen Gag dreht: dieser Mann ist auf der Bühne zuhause. Gigantomanisch gut war David N. Russo als Jacob, Butler oder Zofe, wie man es sehen will, der mehr High Heels besitzt als ich und darauf auch besser laufen kann. (Nein, ich habe da keine allzugroßen Komplexe. Er ist Profi und ich bin Amateur. Aber diese roten Glitzerschuhe, die will ich auch haben.) Außerdem hat er auch einen knackigeren, äh, Bizeps als ich, und dieser Waschbrettbauch ist eine Schau, wobei meine Beine auch ganz gut sind, und ich habe alle möglichen inneren Werte. Obwohl, möglicherweise hat er die auch: Dieses freche Grinsen ist wirklich toll. Aber ich bin da entspannt: ich denke mal, wir kommen uns beim Jagen trotzdem nicht in die Quere.
Aber bleiben wir bei der Sache: Thomas Peters als Jean-Michel, der Außenseiter, der mutig und ungeniert zu seiner Heterosexualität steht, machte wie immer eine sehr gute Figur, an seiner Seite die wunderbare Milica Jovanovic, die auch vom nicht so fachkundigen Publikum sofort als Frau identifiziert wurde. Gunter Sonneson spielte den fanatischen Politiker Edouard Dindon mit Aplomb und Wutanfall, und absolut superb war Rotraut Arnold als Marie Dindon in ihrem antiken Kostüm, die zwar nichts zu sagen hat, es aber doch immer wieder tut. Marianne Larsen alias Jacqueline spielte ihren Charme voll aus. Oliver Bode verkörperte den Nachtklub-Inspizienten Francis, der mit der dominanten Hanna von Hamburg liiert ist. Liebe tut manchmal weh, aber wat mutt, dat mutt. Ich finde ja, norddeutscher Charme wird bisweilen arg überschätzt, aber der Rest des Publikums sieht das anders: gerade die peitschenschwingende Hanna (Jesco Himmelrath) erntete endlose Begeisterungsstürme. (Wobei sich schon die Frage stellt: Sollte ich meinen Umgang mit Männern vielleicht noch mal grundlegend überdenken? Wo ist eigentlich meine Reitgerte? Allerdings ist es ja so: Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe.) Chantal (Andreas Renee Swoboda), Mercedes (Tom Schimon) und Dermah (Volker Michl) lieferten eine sehr schöne Show ab, Phädra (Konstantin Krisch) fand ich immer schon klasse, Denys Mogylyov als Bitelle war eine Schau, ebenso Gianluca Martorella, Korbinian Reile und Erik Constantin (der mit dem netten Lächeln) als Nicole, Babette und Monique. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, fielen bei dieser Vorstellung noch ein paar Hüllen mehr als sonst … aber es war immer noch so viel Glitzerzeug an den Cagelles dran, dass die Phantasie der Zuschauer jede Menge zu tun hatte. Zum riesigen Schlussapplaus regnete es Blumen auf die Bühne. Merci, ihr Süßen, Bussi links, Bussi rechts, ihr seid große Klasse. Man sieht sich, wenn nicht hier, dann auf anderen Bühnen.
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