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Sabine Weigand las am 16.03.2018 in Leipzig

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Zu Beginn der Veranstaltung stellte die Moderatorin Michaela Pelz kurz Sabine Weigand vor, die schon gut bekannt ist als Autorin anspruchsvollerer und spannender historischer Romane.

Sabine Weigand selbst stellte dann ihr neustes Buch vor, “Die Manufaktur der Düfte”. Im Mittelpunkt steht die Familie Ribot, deren Seifensiederei in Schwabach für einige Jahrzehnte von großer Bedeutung war.

Sehr engagiert und mit deutlicher Freude an den fränkischen Textstellen las Sabine Weigand den Abschnitt, in dem der junge Philipp Benjamin Ribot im Jahr 1845 nach Schwabach kommt und als Geselle in einer kleinen Seifensiederei anfängt. Sein Wissen ist dem dem Meisters Ernst Strunz weit voraus und er hilft dabei, den Familienbetrieb zu modernisieren. Es vergehen einige Jahre, bis er einen Antrag auf Vermählung mit der Tochter von Ernst Strunz stellt, Einbürgerung und Zulassung als Seifensieder.

Die entsprechende Urkunde befinde sich noch heute im Archiv von Schwabach. Sabine Weigand lernte von einer Freundin, wie man Seife kocht. Ihre Oma habe noch Kernseife für die Wäsche genutzt und Schmierseife für den Boden. In jener Zeit sei Seife sehr wichtig gewesen. Die alten Römern kannten noch keine Seife und verwendeten gegorenen Urin. *grusel* Entgegen aller Vorurteile, waren die Menschen im Mittelalter sehr reinlich. Erst im Barock habe sich der Glauben durchgesetzt, die Syphilis verbreite sich im Bad…. Durch die Erfindung von Soda und die Industrialisierung wurde die Qualität von Seife immer besser. Es wurden keine tierischen Fette mehr verwendet und der Schaum wurde feiner.

Als Historikerin gefiel ihr besonders gut, dass fast alles aus dem Roman historisch belegt ist und sie nicht so viel erfinden musste. So sei die Geschichte viel authentischer und es falle ihr immer sehr schwer, historische Handlung zu erfinden.

Fritz Ribot, der Sohn von Philipp Benjamin Ribot, ist der geborene Seifensieder und ein leidenschaftlicher Unternehmer. Verwandte der Familie hatten eine große Fabrik in Pittsburgh in den USA, die Fritz besuchte. Dort lernte er in Deutschland noch unbekannte Werbemethoden kennen, wie z.B. Kinowerbung, Sammelbilder-Serien und erfand auch eine „Glücksseife“. Diese wurde auf Antrag von Konkurrenten gerichtlich verboten, weil diese in den in der Verpackung enthaltenen Losen verbotenen Glücksspiel sahen.

Auch mit neuer Technologie revolutionierte er den deutschen Seifenmarkt. In seiner Fabrik in Schwabach stand die erste Dampfmaschine des Orts, seine Familie hatte das erste Telefon, mit der Nummer 1, Ribot war die erste elektrifizierte Fabrik und er illuminierte so Schwabach. All diese Neuerungen und sein Forschungs- und Erneuerungsdrang machten ihn anderen Menschen manchmal unheimlich. Sabine Weigand sieht in ihm einen Vordenker, der in seiner Welt gefangen war. Andere Menschen hatten es schwer, mit ihm Schritt zu halten, wie zum Beispiel auch seine Brüder.

Das Leben als Fabrikarbeiter in den Städten war hart. Viele Menschen lebten in schimmligen Löchern, arbeiteten von Montag bis Samstag zwölf Stunden pro Tag, ohne Kündigungsschutz oder Rente. Von Lohnfortzahlung bei Krankheit ganz zu schweigen. Mit der Zeit begannen die Arbeiter sich zu formieren.

Leider gibt es über die Oberschicht deutlich mehr Dokumente als über die Arbeiter oder den Wirt der Arbeiterkneipe „Zum Walfisch“ (oder „Im Walfisch“? – konnte leider nichts dazu finden.). die Kneipe geben es wirlich, die dort arbeitende Familie habe sie jedoch erfinden müssen.

Es folgte die Lesung einer Textstelle, die im „Walfisch“ spielt und bei der es um die Gründung des Arbeitervereins ging, nach dem Vorbild von Ferdinand Lassalle. Es wird über das zweite Attentat auf den Kaiser diskutiert, als der Wachtmeister kommt…

Eingeflochten ist ein Originaltext aus einer Zeitung jener Zeit. Diese Kollagetechnik mag Sabine Weigand gerne, um die Handlung authentischer zu machen.

Dieser Roman unterscheide sich in mancher Hinsicht von ihren anderen Büchern. Keines habe bisher in Schwabach gespielt und über keine andere Stadt wisse sie mehr. Über diese Zeit sei viel mehr bekannt, als man es je über Mittelalter wissen könne. Sie verbrachte viel Zeit mit der Recherche vermeintlich kleiner Details, damit nicht zum Beispiel der erste Teebeutel vor seiner Erfindung auftaucht.

Eine weitere Freiheit nahm sie sich, indem sie die Firma Ribot im Jahr 1926 pleitegehen ließ. Während des ersten Weltkriegs musste die Produktion umgestellt werden, weil Glyzerin für Sprengstoff benötigt wurde und nach den Krieg waren sowohl die früheren Märkte als auch die Kolonien mit den Rohstoffen weg. Es folgte die Inflation und niemand konnte sich mehr Toilettenseife leisten. Die Familie habe alles versucht, einen Teil der Belegschaft entlassen, in eine Aktiengesellschaft gewandelt.

Alle Unterlagen über die Zeit des 2. Weltkriegs sind verschwunden. Die Firma habe wohl knapp überlebt, aber sei dann der neuen Konkurrenz durch Henkel, Sunlicht und andere Unternehmen erlegen. Schon in den 20er Jahren sei die Produktion auf das Anfangsniveau zurückgefallen, als die Seife in der Küche hergestellt wurde.

Ihr nächstes Projekt spielt in Schlesien, in der Nähe von Breslau. Dort gibt es ein heutzutage hier praktisch unbekanntes Schloss namens Fürstenstein, das praktisch das Neuschwanstein Polens sei. Es habe damals Hans Heinrich von Pless gehört, der 1892 die gerade 18-jährige Daisy Cornwallis-West heiratete.

Die Ehe erinnere stark an Charles und Diana, denn Hans Heinreich von Pless hatte eine Geliebte, die er nicht heiraten durfte und bekam mit seiner Frau zwei Söhne. Die beiden führten ein Jet Set Leben, waren immer auf Achse, in Baden-Baden, Nizza, Ägypten und Indien. Für Sabine Weigand ist Daisy eine sehr frustrierte Frau, die sich dann für die Wohlfahrt einsetzte und zum Beispiel Krüppelheime in Schlesien gründete.

Bei einem Besuch des Schlosses und der späteren Wohnung von Daisy werde deutlich, wie unglaublich feudal damals die obersten sozialen Schichten lebten. Aus Daisys Tagebüchern erfuhr sie, dass diese nie wusste, wie viele Zimmer das Schloss eigentlich hat und einige Zitate werden ihren Platz im neuen Buch finden.

Wenn sie sich in der Endphase des aktuellen Buchs befinde, das Ende feststehe, beginne sie schon mit der Recherche für das neue Buch. Recherche sei für sie als Wissenschaftlicher deutlich einfacher als authentisch wirkende Figuren mit Tiefe zu gestalten. (Wobei ihr das meiner Meinung immer wieder äußerst gut gelingt.) 50 Seiten des neuen Buchs seien schon fertig.

Im Anschluss an die Lesung signierte Sabine Weigand noch und beantwortete weitere Fragen.

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