Nach einer Ansage, die das Schlimmste befürchten ließ, begann die 19. und letzte Vorstellung von L’Italiana in Algeri. Die Stimmung war dann aber viel besser als die Ansage: Stefan Sevenich war indisponiert – kein Wunder, weil nämlich seine einzeln besetzten Rollen so dicht getaktet wurden, dass er beim besten Willen keine Zeit hatte, irgendwas auszukurieren. (Vielleicht hätte man die Terminplanung doch nicht den Praktikanten überlassen sollen.) Er sang deutlich leiser als gewohnt, hatte aber trotzdem keine Schwierigkeiten, diese auf ihn zugeschnittene Inszenierung zu jonglieren und sein Publikum zu begeistern. Mein ganz persönlicher Opernabend war spätestens dann perfekt, als ich Cornel Frey auf der Bühne sah. Beim nächsten Mann wird ja bekanntlich immer alles anders, und in der letzten Spielzeit war der Sklave Lindoro immer die Sollbruchstelle gewesen, die Partie, auf die man lauerte, wenn man sich mal wieder so richtig ärgern wollte. Die Erleichterung, endlich mal einen brauchbaren Lindoro zu hören, ließ meinen Blutdruck gleich um zehn Punkte sinken. Wie entspannend, wie wunderbar! Zwar siezte er sich am Anfang ganz kurz mit Rossini, aber dann wurden die beiden sehr gute Freunde. Die schöne Italienerin Isabella wurde fantastisch gesungen von Franziska Rabl, die nebenher mit Charme und Esprit alle Männer betörte, auch die im Zuschauerraum. Besonders bei den Flirt-Szenen mit Cornel Frey fiel auf, wie darstellerisch präsent diese beiden immer waren.
Wunderbar in Gesang und Darstellung war Ella Tyran, die verschmähte Gattin, die es faustdick hinter den Ohren hat. Bei ihrer Sklavin Zulma (Carolin Neukamm) sah man zuweilen die Mundwinkel zucken, bevor sich die beiden wieder mal zu einer Heulorgie auf den Boden warfen. Hervorragend besetzt war auch Juan Fernando Gutiérrez als Taddeo, der Verehrer, der doch nicht zum Zuge kommt. Auch Sebastian Campione als Korsarenkapitän Haly gefiel mir ausgesprochen gut. Einer der vielen Höhepunkte dieses Abends war natürlich die Sauna-Szene, wo aber leider ein hochinteressantes Detail oft von einem Handtuch verdeckt war. (Ich meine tatsächlich das Handtuch, das der Lindoro um die Schultern trug. Was dachten Sie denn?) Das Orchester unter Lukas Beikircher spielte ganz fabelhaft. Der Herrenchor auch.
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