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Elisabeth Herrmann las am 24.02.2018 in Moers

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Das diesjährige Moerser Krimifestival wurde mit einer Lesung von Elisabeth Herrmann eröffnet. Der gut gelaunte Moderator Stefan Keim betrat gemeinsam mit ihr die Bühne und kündigte eine fünfeinhalbstündige Veranstaltung ohne Pause an.

Sieben Jahre nach Zeugin der Toten erschient im letzten Herbst die Fortsetzung Stimme der Toten.

Zum Auftakt las Elisabeth Herrmann das erste Kapitel, in dem das rasante Finale des ersten Bandes aufgegriffen wird. Dieser Teil spielte in einer Bank – die Lesung fand passenderweise in der örtlichen Sparkasse statt. Stefan Keim merkte an, dass seiner Meinung nach Nina Petri sich beim Hörbuch eher zurückgenommen habe, Elisabeth Herrmann deutlich engagierter lese. Elisabeth Herrmann erwiderte, dass sie die Personen und deren Stimmen im Kopf habe und früher auch ihren Kindern vorgelesen habe – das sei anders, als die FAZ vorzulesen.

Die Hauptfigur Judith Kepler habe viel erlebt und eine so aufwühlende Szene könne sie nicht gelassener lesen. Dann stellte sie Judith Kepler vor, deren Lebensweg aus einer Stasifamilie bis zur schwierigen Beruf als Tatortreinigerin, die mit ihrer Vergangenheit klarkommen müsse. Eine gescheitere Republikflucht habe ihr das Leben auch nicht leichter gemacht und Judith wolle auf keinen Fall Opfer sein.

Der Abstand von sieben Jahren liege an ihrem Wechsel zu Goldmann. Eigentlich waren schon 150 Seiten des 2. Bandes geschrieben, aber Goldmann wollte nicht direkt mit einer Fortsetzung anfangen und so seien einige andere Bücher gekommen. Diese sieben Jahren seien auch im Buch vergangen und die neue Judith habe ihr nicht gefallen. Sie sei noch irgendwie gefangen und habe nichts aus den Informationen gemacht, die am Ende des ersten Bandes über ihre Familie erhielt.

Die Namen der Figuren wähle sie nach dem Klang aus. Sowohl Kepler als auch Judith hätten etwas calvinistisch-zurückgenommenes, Harras erinnere sie an einen edlen Schäferhund und würde zu einer Person in einer verantwortungsvollen Position passen.

Sie selbst sei in eher ärmlichen Verhältnissen im roten Gallus aufgewachsen und ihr Vater habe großen Wert auf Bildung gelegt, konnte frei aus dem Ilias zitieren und vielen anderen Klassikern. In den Bücherkisten, die Judith in Nachlässen findet, stecke die Bibliothek ihrer Eltern, wie z.B. auch „Don Camillo“.

Nach der Schule habe sie im Akkord in einer Fabrik gearbeitet, Bauzeichnerin gelernt und das Abitur an einer Abendschule nachgeholt.

Schon früh habe sie den Entschluss gefasst, einen Krimi zu schreiben, ohne Gemetzel und mit authentischen Figuren, die man wie Freunde vermisse, wenn man das Buch beiseite lege. So wie es ihr mit ihren Lieblingsbüchern gehe.  Am Anfang habe sie rund 50 Absagen bekommen und schlechte Erfahrungen mit Agenten gemacht, deren heutige Forderungen sie für zu hoch hält.

Für die Verfilmungen ihrer Bücher schreibe sie inzwischen selbst die Drehbücher, wie zwei Mal für das ZDF. In der Vergangenheit habe sie schlechte Erfahrungen mit eigenmächtig handelnden Regisseuren gemacht, die ihre völlig veränderte Version der Geschichte erzwangen. Sie habe ihre Geschichte und Figuren nicht wiedererkannt und es habe Kritik von den Lesern gehagelt. Das sei schädlich für ihren Ruf, insbesondere bei Menschen, die ihre Bücher noch nicht gelesen hätten. Auch ihr Agent sei fassungslos gewesen und seitdem vermarkte ihre Bücher selbst für mögliche Verfilmungen. Ein einziges Mal zog sie bisher ihre Genehmigung für ein Drehbuch zurück, alle andere gab sie durch ihre Unterschrift frei. Die Verfilmung von Schattengrund

sei mit Josefine Preuss blendend besetzt und auch die Dreharbeiten hätten ihr große Freude gemacht.

Zur Recherche für ihre Bücher sei sie einmal über Umwege auf der Waffenmesse in London gewesen und habe den sehr charismatischen Chef von Rheinmetall getroffen. Damals gab es noch die allgemeine Wehrpflicht, auch für ihren eigenen Sohn und am Ende des Gesprächs war sie überzeugt, dass selbstverständlich jeder die besten Waffen zur Verfügung haben solle. Erst draußen an der frischen Luft sei sie wieder aufgewacht. Bastide Larcan in ihrem neuen Buch sei auch eine solche Figur, eigentlich ein Drecksack, aber andererseits übe er eine besondere Faszination auf Frauen aus.

©Maximilian Lautenschläger

Dann las sie einen Abschnitt, in dem Larcan vorgestellt wurde. Ihrer Meinung nach wird er immer sympathischer, obwohl er ein verräterischer Waffenhändler ist. Auch er bekommt von ihr eine heftige Biographie, aber auch eine emotionale Liebesgeschichte.

In einer Nebenhandlung geht es um verwahrloste Kinder. Dieser Teil war ihr sehr wichtig, denn diesem Thema werde nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Einmal habe sie nachts ein junges Mädchen gesehen, das nicht wusste, wo es hinsollte. Nach Hause war keine Option und so solle kein Kind aufwachsen.

Der Abgabetermin für den dritten Band sei nicht erst in sieben Jahren, sondern schon im Oktober 2018. Die Filmrechte für das aktuelle Buch noch nicht vergeben, aber das Manuskript liege bereits bei der Hauptdarstellerin des ersten Teils und sie freue sich auf die Reise nach Odessa, um für den dritten Band zu recherchieren.

Nach der interessanten Veranstaltung signierte Elisabeth Herrmann noch Bücher.    

Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Sie arbeitete nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman Das Kindermädchen ihren Durchbruch feierte.

Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Aktuell laufen die ZDF-Dreharbeiten für die Verfilmung ihres Romans Schattengrund (cbt Verlag) mit Josephine Preuß als Hauptbesetzung. Bereits sehr erfolgreich im ZDF lief die Reihe um den Berliner Anwalt Vernau (Jan Josef Liefers).

Elisabeth Herrmann wurde mit dem Radio-Bremen-Krimipreis und dem Deutschen Krimipreis 2012 ausgezeichnet.

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