Einführungsmatinée: Turandot, 27.11.2011, Bayerische Staatsoper

Soll ich das nun peinlich finden? Oder lächerlich? Oder ganz einfach unverschämt? Ich habe mich so über die Form dieser Veranstaltung geärgert, dass ich über den Inhalt nichts schreiben werde. Ein befreundeter Arzt sagte mir mal vor einiger Zeit: “Männer sind auch Menschen.” Das ist mir klar, doch, wirklich, und ich versuche aufrichtig, diesen Grundsatz im Alltag zu beherzigen. Im Gegenzug fände ich es erfreulich, wenn auch die Herren der Schöpfung im Hinterkopf behalten könnten, dass 50% der Menschheit weiblich ist. Das Panoptikum, das dem Auditorium hier geboten wurde, war – wie soll ich sagen – aufschlussreich.

Ich habe zum Thema Gleichberechtigung ein durchaus differenziertes Verhältnis, und den Ausdruck “patriarchalische Strukturen” habe ich in meinem ganzen Leben noch nie verwendet, aber die Bühne der Bayerischen Staatsoper bot an diesem Vormittag wirklich ein trauriges Bild. Ich wüßte sehr gerne, was die hauseigene Gleichstellungsbeauftragte dazu sagt. Allein die Tatsache, dass schon im Vorfeld offensichtlich keiner der Zuständigen diese monochrome Aufstellung als befremdlich empfunden hat, lässt interessante Rückschlüsse auf den Münchener Kulturbetrieb zu. Auf der Bühne waren zu sehen:

Ein Intendant (1 Mann),

ein Dirigent (1 Mann),

ein Regisseur (1 Mann),

ein Dolmetscher (1 Mann),

ein Dramaturg (1 Mann),

ein Bühnenbildner (1 Mann),

ein Pianist (1 Mann),

drei Sänger (3 Männer).

Die Veranstaltung dauerte von circa elf Uhr bis viertel nach zwölf. Um 12.09 Uhr erschien eine Sängerin (1 Frau), die bis 12.13 Uhr sang. Zwei Minuten später war Schluss, und damit hatte ich auch genug gesehen. Diese wird vermutlich ohne mich auskommen müssen.

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