Nachtgedanken am 29. Juli 2010 17:53
Besonders gespannt war ich auf diese Veranstaltung, bei der Opernsänger und Boxer sich den gleichen Ring teilten. Das Boxwerk war gut gefüllt, als Stefan Sevenich und Sebastian Campione mit dem Auslöser der Veranstaltung begannen: dem Boxkampf aus “Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny”, so realistisch dargestellt, dass das Publikum beim “Nachtreten” aufstöhnte.
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Nachtgedanken am 13. Juli 2010 21:24
Zum letzten Mal, glücklicherweise nur in dieser Spielzeit, stand diese wunderschöne Operette von Emmerich Kálmán auf dem Programm. Nicht nur mir gefällt diese Produktion sehr gut, auch die 11-jährige Tochter meiner Freundin, die mit mir gemeinsam diese Nachmittagsvorstellung besuchte, meinte, dass die Zeit schnell vorbei geht, wenn etwas so schön ist.
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Nachtgedanken am 1. Juli 2010 17:40
Lieblingslieder war der Untertitel dieser Matinee, und dass sich Shirli Polena und Adrian Xhema mit den vorgetragenen Lieder wohl fühlten, merkte ich bei jedem Ton, beide haben sehr kraftvolle Stimmen, sind aber in den Piani ebenso beeindruckend und ausdrucksstark. Shirli Polena ist vielen vielleicht noch als Ceres in “Orpheus in der Unterwelt” in Erinnerung, meine persönlicher Favorit von Adrian Xhemas Rollen ist der Nemorino aus dem Liebestrank.
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Nachtgedanken am 20. Juni 2010 14:28
Bei dieser Aufführung der Gräfin Mariza stand erstmals Benjamin Reiners am Dirigentenpult. Es ist wirklich beeindruckend, wie dieses junge Talent seine Aufgabe meistert. Meiner Meinung nach werden wir in den kommenden Jahren noch viel von ihm hören.
Es war wieder ein sehr schöner Abend, um mich herum nur leuchtende Augen, das Publikum war begeistert von den tollen Solisten Mario Podrečnik, Tilman Unger, Christina Gerstberger und Thérèse Wincent, dem restlichen Ensemble, dem Chor und dem Orchester – und von der Inszenierung. Es macht einfach Spaß zuzusehen und die Musik ist absolut mitreißend.
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Nachtgedanken am 20. Juni 2010 12:18
Eigentlich habe ich meinem Eindruck vom 14.05.2010 wenig hinzuzufügen, außer, dass ich das Gefühl hatte, das diesmal alle ein wenig entspannter waren. Interessant wäre jetzt nochmal das gleiche Programm nächsten Monat in Füssen zu sehen, aber da müsste ich dort übernachten und das geht zur Zeit einfach nicht.
Neu war diesmal die Moderation von Christoph Maier-Gehring, der schöne Überleitungen zwischen den einzelnen Blöcken machte. Seine Frage an das Publikum, ob man denn gerne wieder einen Vogelhändler sehen wollte, wurde mit stürmischen Applaus beantwortet, ein ziemlich klarer Auftrag an die Leitung des Hauses
Das war wieder ein sehr schöner, runder Abend, danke an alle Beteiligten!
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Nachtgedanken am 16. Juni 2010 17:24
Am Anfang der Spielzeit hätte ich es mir ja nicht träumen lassen, dass ich am Ende Karten für alle fünf Marizas haben würde. Aber das Stück gefällt mir von Mal zu Mal besser und ich freue mich auf die jeweils nächste Vorstellung.
An diesem Abend gab es eine Besonderheit, die mal wieder zeigt, was für tolle Ensemblemitglieder dieses Haus hat und hatte: Wolfgang Schwaninger, der schon den Grafen Tassilo in der ersten Spielzeit 2004 gesungen hat und derzeit am Haus “Mahagonny” probt, sprang kurzfristig ein. Wäre da nicht der schlecht sitzende Anzug im 1. Akt gewesen, ich hätte ihn für die reguläre Besetzung gehalten. Nicht die kleinste Unsicherheit, weder textlich noch musikalisch, das ist wirklich eine enorme Leistung. Und auch das Zusammenspiel mit den teilweisen neuen Ensemblemitgliedern klappte hervorragend, als hätte man tagelang geprobt. Dazu kam noch ein kleines Jubiläum, das Stück in dieser Inszenierung wurde zum 50. Mal gespielt, und alles zusammen ergab einen unterhaltsamen, vergnüglichen Abend.
Danke an alle Beteiligten!
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Nachtgedanken am 12. Juni 2010 21:50
Und wieder standen die ungeliebten drei Worte im Spielplan: zum letzten Mal
Ich kann wirklich nur hoffen, dass mir in der nächsten Spielzeit neben den Wiederaufnahmen auch die Premieren gut gefallen, sonst hab ich ja kaum noch was zum Ansehen
Interessant war an diesem Abend mein Sitznachbar. Er reist anscheinend in der ganzen Republik herum, um sich besondere Inszenierungen anzusehen. Er hatte Boccaccio noch nie live gesehen, weil es so selten gespielt wird. Ich weiß nicht genau, woher er kam, jedenfalls nicht aus München. Wir plauderten auch über das Theater und was er im Brustton der Überzeugung an Tatsachenbehauptungen von sich gab, erinnerte mich doch etwas an die stille Post, soweit verzerrte es die Wirklichkeit.
Es war jedenfalls wieder ein herrlicher Abend, ich liebe diese Melodien und finde es sehr sehr schade, dass nicht mal alle auf meiner Gesamtaufnahme zu finden sind. So fehlt das Lied des Prinzen im zweiten Akt, das von Isabella aufgenommen wird. Heike Susanne Daum hat das immer soooo klasse gesungen, das hätte ich auch gerne in Konserve. Kennt jemand eine Aufnahme, auf der dieses Lied auch vertreten ist?
Es bleibt mir nur zu sagen: Arrividerci, ihr Bürger und Bürgerinnen von Florenz mitsamt Kolporteur, ihr Studenten, ciao Checco , Majordomus und Leonetto, Lotteringhi, Scalza und Lambertuccio, Prinz Pietro, Peronella, Beatrice und Isabella, Fiametta und Boccaccio, ich werde Euch sehr vermissen. Danke für die schönen Stunden, die ihr mir bereitet habt.
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Nachtgedanken am 11. Juni 2010 18:25
Thérèse Wincent gab an diesem Abend ein bemerkenswertes Rollendebüt als Gräfin Mariza. Ausgezeichnet in Stimme und Ausdruck verlieh sie der Gräfin immer das richtige Quäntchen Überschwang, Melancholie und Burschikosität, so dass sich am Ende ein stimmiges und rundes Bild ergab. Zum ersten Mal (ich bitte um Verzeihung, es war erst meine zweite Mariza-Vorstellung ) sah ich an diesem Abend auch Gunter Sonneson in der Rolle des Fürst Populescu, in der er mir, wie eigentlich in jeder seiner Rollen außerordentlich gut gefallen hat. Chorsolist Dirk Driesang fiel mir ein weiteres Mal positiv auf, die restlichen Akteure hielten das hohe Niveau der ersten Mariza-Vorstellung.
Die Inszenierung von Josef E. Köpplinger ist das beste Beispiel dafür, dass man eine Operette relativ traditionell und trotzdem intelligent auf die Bühne bringen kann. Wer sich einen Eindruck von der Ausstattung machen möchte, sei auf die ausführliche Fotostrecke auf der Homepage des Gärtnerplatztheaters hingewiesen.
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Nachtgedanken am 23. Mai 2010 15:57
Am Abend folgte dann die praktische Umsetzung des am Vormittag Gelernten: zum letzten Mal in dieser Spielzeit standen Olymp und Unterwelt im Mittelpunkt. Das Haus platzte mal wieder aus allen Nähten. Es gibt also allen Unkenrufen zum Trotz eine große Nachfrage nach dem Genre, schade, dass es nur so wenige Vorstellungen waren, ich könnte mir das Stück einmal die Woche ansehen, am Besten im Wechsel mit den Piraten und der Mamma
Für mich war es die beste Vorstellung der Spielzeit. Das Publikum ging von Anfang an mit, klatschte an Stellen, an denen bisher selten bis gar nicht geklatscht wurde, dazu angestachelt von Bestleistungen auf der Bühne und aus dem Graben. Das macht mir einerseits den Abschied auf (viel zu lange Zeit) ziemlich schwer, aber andererseits kann ich mir das Gefühl dieses Abends bewahren und es wieder hervorholen, wenn ich mir die Melodien aus der Konserve anhöre.
Danke für die schönen Stunden, ihr Götter und Menschen! Erholt Euch gut, wir sehen uns wieder
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Nachtgedanken am 23. Mai 2010 15:35
Ich bin ja ein Operettenfan, ich liebe diese Gute-Laune-Musik, die aber trotzdem einen ernsthaften Hintergrund hat, manchmal satirisch, aber eigentlich fast immer gesellschaftskritisch ist, wenn man sie nicht nur oberflächlich betrachtet. Deswegen war für mich die Präsentation des Buches “Operette – Porträt und Handbuch einer unerhörten Kunst” Pflichtprogramm. Operetten-Koryphäe Volker Klotz stellte es an diesem Vormittag vor und diskutierte mit Staatsintendant Dr. Peters das Genre.
Das Grundprinzip der Operette ist die Inversion, also das Unterste zuoberst, die Schwachen sind die Starken etc. Herr Klotz wies auf einen interessanten Aspekt hin, nämlich dass diese Musikgattung sich für die Frauen stark macht und das lange vor Alice Schwarzer. Auch die Travestie ist ein Teil der Operette, eine Mythentravestie gibt es ja derzeit mit “Orpheus in der Unterwelt” auf dem Spielplan. Ein weiteres Kennzeichen ist die “unplumpe” Erotik, wie er es nannte, das fand ich einen außerordentlich treffenden Ausdruck. Ein wichtiges Merkmal ist auch der gesungene Tanz , deshalb gehört zu einer guten Operetteninszenierung auch immer eine gute Choreographie, auch hier gibt es mit den “Piraten von Penzance” ein gutes Beispiel auf dem Spielplan. Die Operette ist auch sehr international, vom ehemaligen Yugoslavien bis in die Karibik entstanden zu ihrer “Hochzeit” neue Stücke. Zuletzt fragte Herr Dr. Peters noch, ob Herr Klotz sich eine Renaissance der Operette ähnlich der der Barockoper vorstellen könne. Die Antwort war in die Richtung, warum nicht, aber ich persönlich sehe es etwas pessimistischer. Solange es nur eine Handvoll größerer Häuser im deutschsprachigen Raum gibt, die die Operette fest in den Spielplan integriert haben, solange es Häuser und ihre Intendanten gibt, die auf die Operette und ihre Fans herabsehen, solange das Publikum eher schon etwas länger ins Theater geht, solange wird die Operette ein Schattendasein fristen. Das finde ich sehr, sehr schade, denn so sehr ich es auch liebe, wenn mich die Musik tief berührt, so sehr liebe ich es auch, mal einfach nur positiv gestimmt zu werden, egal wie schlecht der Tag bis dahin gelaufen ist.
Unterfüttert wurde das Ganze mit Musikbeispielen vom Band und live dargeboten von Rita Kapfhammer und Daniel Fiolka. So hörten wir unter anderem eine Melodie aus “Princess Ida” von Gilbert & Sullivan, die verdächtig nach Händel klingt und ein Duett aus der “Dollarprinzessin”.
Es war ein sehr interessanter Vormittag, der nur in zwei Punkte ein wenig abfiel: Herr Klotz unterhielt sich ständig bei den Musikbeispielen mit Herrn Dr. Peters, das war bei denen vom Band nur nervig, bei den live gesungenen Stücken aber äußerst unhöflich gegenüber den Musizierenden war. Außerdem wurde beim Verkauf suggeriert, es handle sich um eine Neuauflage, was im Prinzip auch stimmt, nur ist die halt von 2004 und damit nicht wirklich neu, aber schließlich hat sich in der Welt der Operette vermutlich nicht allzu viel Bahnbrechendes in der Zwischenzeit getan.
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