Archives

  • 2018 (51)
  • 2017 (40)
  • 2016 (6)
  • 2015 (15)
  • 2014 (52)
  • 2013 (83)
  • 2012 (109)
  • 2011 (153)
  • 2010 (179)
  • 2009 (279)
  • 2008 (213)
  • 2007 (33)
  • 2006 (21)

Kategorien

Premiere Der Kleine Prinz, 12.07.2018, Hofspielhaus

Foto Hofspielhaus

Foto Hofspielhaus

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Dieser Satz ist wohl eines der berühmtesten Zitate der Literaturgeschichte und stammt aus der nicht minder bekannten Erzählung Le pétit prince von Antoine de Saint-Exupéry, die 1943 in New York erschien.
Das Hofspielhaus zeigt nun im kleinen, stillen Hinterhof des Theaters die prominente Geschichte als berührendes Zweipersonenstück.
Ferdinand Schmidt-Modrow gibt den kindlichen Titelhelden, der von einem winzigen Planeten stammt und von seiner geliebten Rose auf die Reise geschickt wurde, nur um schließlich mitten in der Wüste der Erde zu landen. Dort begegnet ihm nicht nur eine Giftschlange, die ihm anbietet, ihm zurück nach Hause zu helfen, sondern vor allem der griesgrämige Pilot, gespielt von Martin Halm. Der hat eine Bruchlandung in der Wüste hingelegt und muss sein Flugzeug reparieren, bevor ihm das Wasser ausgeht.
Der Prinz findet den schlafenden Mann und bittet ihn darum, ein Schaf zu zeichnen. Der Pilot ist über die naive Art des Fremden und die Tatsache, dass er offenbar weder Nahrung noch Wasser braucht irritiert, die beiden freunden auch jedoch schnell an und der Prinz erzählt von seiner abenteuerlichen Reise. Dabei interagiert er mit Personen, die als Video überlebensgroß auf die Wand des Hinterhofs projeziert und von den namenhaften Schauspielern Veronika von Quast, Christiane Blumhoff, Stefan Murr, Gerd Lohmeyer und der Hofspielhaus-Chefin Christiane Brammer verkörpert werden. Dies funktioniert tatsächlich hervorragend, das Timing von Schmidt-Modrow passt wunderbar zu den Videos und durch kleine

Foto Hofspielhaus

Foto Hofspielhaus

Animationen und die runde Projektion fühlt man sich auf die kleinen fremden Planeten versetzt, auf denen der Prinz landet.
Aber das Highlight sind definitiv die beiden Darsteller auf der Bühne. Ferdinand Schmidt-Modrow spielt den Prinzen mit viel kindlicher Neugier und Begeisterungsfähigkeit. Trotzdem zeigt er den Charakter sehr mystisch, man weiß nicht genau, ob er nur ein Verrückter ist oder tatsächlich von einer anderen Welt stammt. Martin Halm, der mir bisher nur als Stimme bekannt war, gibt im Gegensatz dazu einen sehr raubeinigen und wütenden Piloten, der jedoch bald von der Geschichte und der Persönlichkeit des Prinzen fasziniert ist und ihn bis zum Ende unter- und beschützt. Das Spiel der beiden Darsteller und vor allem ihre Interaktion ist großartig und gerade zum Schluss des Stücks sehr bewegend. Auch musikalisch wird es an diesem Abend. Der Prinz spielt Ukulele und singt, was der Pilot nach der “Heimkehr” des Titelhelden weiterführt. Besonders schön fand ich die Idee, dass Halm eigentlich den ganzen Abend an einem hölzernen Modellflugzeug baut, um es am Ende dann in den Sternenhimmel zu hängen.
Der Kleine Prinz ist alles in allem ein wundervolles, bewegendes Märchen für Erwachsene, das vor allem durch die hervorragenden Darsteller von der ersten Minute an fesselt. Im Juli sind bereits alle Termine ausverkauft, allerdings wird die Produktion nach der Sommerpause im September nochmals aufgenommen.
https://www.hofspielhaus.de/spielplan/detailansicht/der-kleine-prinz.html

Regie und Musik: Sascha Fersch
Der Kleine Prinz: Ferdinand Schmidt-Modrow
Der Pilot: Martin Halm
Die Rose: Christiane Brammer
Der Geograf: Christiane Blumhoff
Der Fuchs: Gerd Lohmeyer
Der Geschäftsmann: Stefan Murr
Die Königin: Veronika von Quast

Weitere Vorstellungen im September:

Donnerstag, 13. September, 20:00

Freitag, 14. September, 20:00

Sonntag, 16. September, 20:00

Donnerstag, 20. September, 20:00

Samstag, 29. September, 20:00

Sonntag, 30. September, 20:00

Ähnliche Artikel

Linda Castillo – A Gathering of Secrets (Kate Burkholder 10)

©Macmillan Audio

©Macmillan Audio

ungekürzte Lesung

9:58 Stunden

Sprecherin Kathleen McInerney

Hörprobe bei audible.de

Leseprobe beim Verlag

 

 

Zur Autorin

Linda Castillo wurde in Ohio geboren und arbeitete lange Jahre als Finanzmanagerin, bevor sie sich der Schriftstellerei zuwandte. Ihre Thriller, die in einer Amisch-Gemeinde in Ohio spielen, sind ein internationaler Erfolg.

Zur Sprecherin

Kathleen McInerney ist in den USA als Schauspielerin tätig, u.a. auf Bühnen in New York, sowie als Sprecherin von Radio-Hörspielen, Hörbüchern und Cartoons.

Zum Inhalt (freie Übersetzung des amerikanischen Klappentextes)

Als die Scheune eines amischen Hofs in Painters Mill mitten in der Nacht abbrennt, werden Kate Burkholder und ihre Kollegen eingeschaltet. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Unfall – bis der Leichnam des 18-jährigen Daniel Gingrich gefunden wird. Er wurde in der Sattelkammer eingesperrt und verbrannte bei lebendigem Leib. Wer wollte ihn so grausam töten?

Die Polizei stürzt sich in die Ermittlungen, stößt bei den Amischen jedoch auf eine Mauer des Schweigens. Daniel Gingrich war allseits beliebt, galt als aufrichtig und hilfsbereit und wollte bald heiraten. Warum trachtete ihm jemand nach dem Leben? Umso intensiver Kate ermittelt, desto komplizierter wird dieser Fall. Wer sind hier die Guten und wer der Täter?

Sie wird mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert, muss sich ihren eigenen Geistern stellen und hofft, auf der falschen Spur zu sein…

Meine Meinung

There is some soul of goodness in things evil,

Would men observingly distil it out.

(Es ist ein Geist des Guten in dem Übel,

Zög’ ihn der Mensch nur achtsam da heraus.

Shakespeare, König Heinrich V., 4. Aufzug, 1. Szene)

Dieses Zitat hat Linda Castillo „A Gathering of Secrets“ vorangestellt. Es geht diesmal um Schuld, Scham, Schweigen und Selbstjustiz. Der zehnte Band einer Serie, bei der jeden Sommer eine neue Folge erscheint, könnte langweilig oder überkonstruiert sein. Linda Castillo hingegen gelingt es wieder, ihre Leser von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln.

Im Mittelpunkt steht natürlich Chief of Police Kate Burkholder, der Schauplatz ist diesmal wieder Painters Mill in Ohio und somit spielen auch ihre Kollegen und ihr Partner John Tomasetti eine größere Rolle. Natürlich geht es wieder um einen Fall bei der amischen Bevölkerung, die wie gewohnt ihre Probleme lieber auf ihre eigene Weise ohne die Polizei lösen möchte oder wegschauen (Sieh nichts Böses, hör nichts Böses, sprich nichts Böses.). Der grausame Tod von Daniel Gingrich erschüttert seine Familie, Freunde und Kollegen. Er nutzte die Zeit zwischen Schule und Heirat zum “Rumspringa”, arbeitete in einem nicht-amischen Geschäft, kaufte ein Auto und traf sich mit jungen Frauen. Alle schätzten ihn sehr, was den genau geplanten Mord umso mysteriöser erscheinen lässt.

Man merkt deutlich den Reifeprozess von Kate Burkholder in ihrem Leben. Bei der Arbeit tritt sie gegenüber ihren Kollegen und anderen souveräner auf. Auch ihre Beziehung zu John Tomasetti ist stabiler geworden, beide sind ruhiger und geduldiger, können besser auf den Anderen eingehen und stellen die Beziehung nicht mehr in Frage. Ganz im Gegenteil. Auch Kates Schwester spielt wieder eine kleine Rolle, die beiden nähern sich in jedem Band wieder etwas mehr an

Spoiler
Ich könnte mir gut vorstellen, dass Kate im nächsten Band schwanger wird, denn hier sind reichlich Hinweise gestreut, wie kinderlieb sie gerade Säuglingen gegenüber ist.
Einige der Figuren gehören der mir zuvor unbekannten Gruppe der Beachy-Amischen Diese Gruppe ist auch tief religiös, viele der Regeln sind so, wie man es von amischen Gemeinden erwartet. Andererseits könnten sie zum Beispiel Autos und Handys besitzen, Computer und das Internet nutzen, Kleidung kaufen statt selbst zu nähen.

Zum Fall selbst möchte ich nicht allzu viel schreiben, außer dass Kates bekannte Vergangenheit, der Grund für ihren Austritt aus der Gemeinschaft ihren Blickwinkel bei den Ermittlungen deutlich beeinflussen. Das spielte auch in früheren Bänden schon eine Rolle, jedoch lässt Linda Castillo ihre Hauptfigur auch in dieser Hinsicht reifen während Kate sowohl den Fall als ihren persönlichen moralischen Konflikt lösen muss. Die Autorin greift ein Thema auf, das im letzten Jahr international viele Wellen schlug und auch bei den Amischen leider noch sehr aktuell ist.

Spoiler
Die #me too Debatte.

Wie geht die amische Gemeinschaft damit um, wenn eines ihrer Mitglieder Schande über sich und somit auch seine Familie bringt? Wie unterschiedlich die Vorstellungen von Schande und deren Ursachen sind, in Kates alter und neuer Welt, das steht im Mittelpunkt von „A Gathering of Secrects“. Kate Burkholder muss sich der Frage stellen, ob sie diesen Mord wirklich restlos aufklären möchte, ob das möglichweise die Falschen treffen würde. Andererseits ist ihr deutlich bewusst, dass der Mantel des Schweigens der Amischen für viele Probleme insbesondere hier nicht der richtige Weg ist. So harmonisch die vermeintlich heile Welt der Amischen wirkt, so deutlich wird vor allem in diesem Band, dass der Preis in diesem System für einige sehr hoch ist.

Kate McInerney liest in den ersten Kapiteln teilweise etwas stockend, ab dem 5. Kapitel dann wieder souverän mit eigenen Stimmen für die verschiedensten Figuren und vermittelt die Stimmungen perfekt. Eine andere Sprecherin könnte ich mir nach zehn Bänden allerdings auch kaum vorstellen.

Für den nächsten Band wünsche ich mir nur, dass Kate nicht wieder alleine in Lebensgefahr gerät und ihre eigene Vergangenheit zur Abwechslung keine so große Rolle spielt.

 

Fazit

Kaum erschienen, schon durchgehört und gespannt auf den nächsten Band. So fällt das kurze Fazit für den zehnten Band der Reihe um Kate Burkholder aus. Man lernt wieder Neues über das Leben der Amischen inmitten der modernen Welt um sie herum. Die Serie bleibt spannend, die Haupt- und Nebenfiguren entwickeln sich deutlich weiter, der Fall selbst und das überraschende Ende waren wieder überzeugend und die Sprecherin Kathleen McInerney gehört einfach dazu.

Ähnliche Artikel

Uraufführung La Strada, 12.07.2018, Gärtnerplatztheater

La Strada – Gefühle unterwegs

 Verónica Segovia © Marie-Laure Briane

Verónica Segovia
© Marie-Laure Briane

 Alessio Attanasio, Verónica Segovia © Marie-Laure Briane

Alessio Attanasio, Verónica Segovia © Marie-Laure Briane

Am Vorabend der Premiere las ich die Vorberichte in der Süddeutschen Zeitung. Da stand, dass man, wenn man den Film nicht kennt, sich die Handlung vor der Vorstellung anlesen könnte oder auf der Fahrt mit der S-Bahn den halben Film auf YouTube sehen könnte. Das war der Auslöser keine weiteren Vorbereitungen für meinen Besuch zu treffen und alles einfach wirken zu lassen.

Auf der schwarzen Bühne, im Hintergrund ein Meer? oder ein Kornfeld. Davor die Tänzerinnen und Tänzer des Gärtnerplatztheaters. Eine abwechslungsreiche Musik, die ihre Herkunft aus der Begleitung eines Films nicht versteckte. Das sind die Zutaten, die mich berührten. Relativ schnell kam in mir die Vorstellung hoch, dass es hier ein Hörspiel für die Augen gibt. Bilden sich bei einem Hörspiel Bilder im Kopf aus, entstanden hier Assoziationen und Erinnerungsmomente. La Strada habe ich nie gesehen, also nährten sie sich aus anderem: nächtliche Straßenszenen aus Don Camillo, Revuefilme mit Caterina Valente, West Side Story, Duracell,… also vielfach Dinge, die schon meine Eltern in der Jugend kannten und die mich auch in Kindheit und Jugend begleiteten. Es fühlte sich gut an. Warum passierte das? Ich weiß es nicht. Passt das zur Geschichte, die der Film erzählt? Ich weiß es nicht. Aber es fasziniert mich. Dazu trägt insbesondere bei, dass mich die Bewegungen irritierten. Wie geht das? Viele schnelle, harte Bewegung, gleichzeitig leicht und fließend. Dazu gibt es Körperhaltungen, die ich für unmöglich hielt, die aber auch unheimlich ausdrucksstark sind. Mir stellt sich die Frage, soll ich beim nächsten Besuch die Bilder auf mich noch einmal so wirken lassen oder sollte ich mich doch mit der Handlung beschäftigen, und versuchen sie auf der Bühne nachzuvollziehen? Vielleicht lasse ich mir noch ein paar Vorstellungen Zeit dazu.

Termine

14.07.2018 19.30 Uhr
15.07.2018 18.00 Uhr
17.07.2018 19.30 Uhr
23.07.2018 19.30 Uhr

Tickets

Ähnliche Artikel

Die stillen Nächte des Ludwig Rainer, 07.07.2018, SteudlTenn Uderns

Traditionen sind wichtig. Das ist nicht nur meinen Kollegen vom Feldmochinger Volkstheater und mir bewusst, sondern hat auch allgemein in der Kulturlandschaft mehr Aufmerksamkeit verdient, als es aktuell der Fall ist. Zu einer persönlichen Tradition ist es für uns inzwischen quasi geworden, dass wir bei unseren Kurzurlauben im Zillertal auch einen Abend der regionalen Theaterkultur widmen. Bei unserem letzten Ausflug gibt es zu den Theatertagen in Stumm, dieses mal verschlug es uns zum Kulturfestival SteudlTenn in Uderns.
Ist das Zillertal im Winter vor allem für Skitourismus bekannt, so hat es in den warmen Monaten tatsächlich eine großartige Vielfalt an Amateur- und Profitheater zu bieten. Auf die Empfehlung eines befreundeten Schauspielers hin fuhren wir am vergangenen Wochenende also hinunter ins Tal, um das musikalsiche Theaterstück Die stillen Nächte des Ludwig Rainer von Hakon Hirzenberger anzusehen. Der Name Ludwig Rainer sagte uns Bayern nichts, in Tirol scheint der Volkssänger jedoch auch heute noch berühmt und beliebt zu sein. Die Rainer-Sänger brachten im 19. Jahrhundert das Liedgut der Region in die ganze Welt, unter anderem machten sie das berühmte Weihnachtslied Stille Nacht (das in diesem Jahr sein 200-jähriges Jubiläum feiert) auch in Amerika bekannt. Das Stück des Festival-Organisators Hirzenberger hat eben Rainer selbst im Zentrum und erzählt seine Lebensgeschichte mit schlichten Mitteln aber dafür mit viel wundervoller Musik.

Foto: Christian Wind

Vier Darsteller und ein kleiner Chor sind fast permanent auf der Bühne, spielen Szenen aus der Biografie des Sängers, kommentiere diese Ereignisse jedoch im nächsten Moment oder zeigen eine alternative Version. Das sorgt immer wieder für viel Humor, der sich auch durch den Theaterabend zieht. Trotzdem spiegelt das Werk doch auch wider, wie schwer es in diesen Zeiten gerade in abgelegeneren Regionen für die Menschen war, sich irgendwie über Wasser halten zu können. Die ersten Rainer-Sänger schlossen sich aus dem Titelhelden, seiner Nichte Helene, Rainers späterer Frau Margarethe Sprenger und Simon Hollaus zusammen und traten anfangs vor allem in Europa auf. Nach den großartigen Versprechungen eines französischen Geschäftsmanns zogen die Sänger arglos in die USA, wo der Erfolg zunächst ausbleibt. Erst durch das bereits bekannte Weihnachtslied kam ein erster finanzieller Erfolg, trotzdem müssen sie nach einigen Jahren wieder in die Heimat zurückkehren. Zwar wird ihr Erfolg mit der traditionellen Musik ihrer Heimat weltweit immer größer, doch verraten sie mit Kitsch-Trachten und viel Show auch immer weiter ihre Kultur.
Das Konzept mag vielleicht nach viel österreichischem Heimat-Kitsch klingen, doch so sehr Ludwig Rainer allgemein geschätzt wird, so wird in diesem Stück auch deutlich gezeigt, dass er wohl ein sehr getriebener und schwieriger Mensch war. Er kann sich nie für einen Lebensweg entscheiden, schiebt die Schuld für Misserfolge gerne auf seine Kollegen, hat Probleme mit emotionalen Bindungen und zeigt allgemein eine cholerische Ader. Roland Jaeger spielt diesen launischen Patriarchen sehr emotional und vielschichtig und schafft es so, das Publikum von der ersten Minute an zu packen, obwohl man dem Charakter manchmal gerne eine Ohrfeige verpassen würde. Große Wandlungsfähigkeit zeigen die beiden Damen Juliana Haider und Caroline M. Hochfelner, die die verschiedenen Ehefrauen und Reisegefährtinnen Rainers darstellern. Hochfelner wandelt sich im Laufe des Stücks von der schüchternen Nichte Helene zur aufgekratzten Wirtstochter Anna. Haider spielt mit Margarethe Sprenger eigentlich einen etwas traurigen Charakter, schließlich wurde sie dem Stück zufolge nur von Rainer geheiratet, weil er enttäuscht über das Auflösen seiner Gruppe war. Obwohl sie die Geschichte ihrer Charaktere eher locker und beiläufig erzählt schwingt doch manchmal sehr viel Melancholie in allem mit. Der vierte im Bunde ist Andreas Haun – der dem Münchner Publikum unter anderem vom Blutenburgtheater bekannt sein könnte – als Simon Hollaus. Dieser scheint wie der ewige Kontrahent Rainers, widerspricht ihm gerne und macht im Laufe des Stücks sogar seine eigene Gesangsgruppe auf. Dieser Konflikt zwischen den beiden Herren wird zwar nicht in Aggressionen gezeigt, wird jedoch in Kleinigkeiten wie Mimik oder dem Verlassen der Hauptbühne sehr deutlich.

Foto: Christian Wind

Die vier Darsteller zeigen durchweg eine großartige darstellerische und gesangliche Leistung. Unterstützt von einem kleinen Chor und ein paar Instrumenten wird neben aller Historie vor allem die Tiroler Musik und Tradition zur Hauptfigur dieses Abends. Manche älteren Herrschaften im Publikum sangen die alten Lieder gerührt mit und auch, wenn ich bis auf eines kein einziges dieser Werke kannte, so berühren den Zuschauer die Texte und Melodien sehr. Das Bühnenbild ist sehr schlicht gehalten. An der Stallwand gibt es ab und zu Projektionen von Landschaften oder Gebäuden um die verschiedenen Reisestationen der Sänger zu zeigen, auf einer kleinen Erhöhung stehen ein paar Kisten und Bänke, auf dem sich der Chor und am Anfang auch drei der Schauspieler niederlassen, bevor sie nach und nach als Figuren in das Stück einsteigen.
Und auch uns „Fremden“ zeigt sich in der Musik wie im Stück, dass die Zillertaler Kultur scheinbar das Melancholische mit großer Lebensfreude perfekt vereinen kann. Ich und meine Begleiter waren jedenfalls hellauf begeistert von diesem Theaterabend und hoffen sehr, dass diese Produktion auch im nächsten Jahr wieder aufgenommen wird. Wir können nämlich auch außerhalb der Skisaison ein Wochenende im Zillertal mit ein wenig Kultur am Abend durchaus empfehlen.

DIE STILLEN NÄCHTE DES LUDWIG RAINER VON HAKON HIRZENBERGER / DI 3. JULI / MI 4. JULI / SA 7. JULI / SO 8. JULI

Autor/Regie: Hakon Hirzenberger
Bühne: Gerhard Kainzner
Kostüm: Andrea Bernd
Videoinstallation: Bernd Kranebitter
Licht: Sabine Wiesenbauer
Regieassistenz: Nadja Prader
Musikalische Leitung: Gerhard Anker
Chor: Anna Geisler, Sabine Lechner, Monika Lechner, Monika Pfister, Gerhard Anker, Martin Waldner und Sebastian Egger
Mit: Roland Jaeger, Juliana Haider, Caroline M. Hochfelner, Andreas Haun und Johannes Rhomberg

Ähnliche Artikel

Elisabeth Herrmann – Die Mühle

Die Mühle von Elisabeth Herrmann Cover ©cbt HC

Die Mühle von Elisabeth Herrmann
Cover ©cbt HC

ungekürzte Lesung
10:56 Stunden
Sprecherin: Laure Maire
Hörprobe beim Verlag

Zum Inhalt (vom Verlag)
“The Court” – das waren die Coolen. Die Angesagten, die Unerreichbaren, die Helden von Lanas Schulzeit. Wie kann es sein, dass ausgerechnet Lana an eine Einladung zu einem Kurztrip mit der Überflieger-Clique kommt? Jahre, nachdem sie alle ihre alte Schule verlassen haben? Der Trip führt die Clique in eine alte Mühle, umgeben von wilder Natur. Alles hier scheint für sie vorbereitet zu sein. Nur wer hat eigentlich die Einladungen verschickt? Wer begrüßt sie mit schriftlichen Botschaften, hat seltsame Spiele für sie organisiert? Als dann der erste der Freunde verschwindet, wird Lana klar, dass sie in der Falle sitzt. Denn es geht um Leben und Tod…

Zur Autorin (vom Verlag)
Elisabeth Herrmann, geboren 1959 in Marburg/Lahn, ist eine der aufregendsten Thrillerautorinnen unserer Zeit. Zum Schreiben kam sie neben ihrer Tätigkeit als Journalistin erst über Umwege – und hatte dann sofort durchschlagenden Erfolg mit ihrem Thriller “Das Kindermädchen”, der von der Jury der KrimiWelt-Bestenliste als bester deutschsprachiger Krimi 2005 ausgezeichnet wurde und vom ZDF verfilmt wurde. Seitdem macht Elisabeth Herrmann Furore mit ihren Thrillern und Romanen. 2012 erhielt sie den Deutschen Krimipreis für “Die Zeugin der Toten”, die ebenfalls vom ZDF verfilmt wird. “Die Mühle” ist ihr vierter Thriller für jugendliche Leser.

Zur Sprecherin (vom Verlag)
Laura Maire, geboren 1979 in München, absolvierte ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Bekannt wurde sie durch eine Hauptrolle in der ARD-Vorabendserie “Verdammt verliebt”. Sie synchronisierte u. a. Brie Larson in “Raum” (2016 mit einem Oscar ausgezeichnet) und Ashley Greene (als Alice Cullen) in der “Twilight”-Reihe. Daneben war sie immer wieder in “How I Met Your Mother” zu hören. Maire erhielt 2011 den Deutschen Hörbuchpreis als Beste Interpretin. 2014 las sie für den Hörverlag den Thriller “Schattengrund” von Elisabeth Herrmann und erhielt für ihr “virtuoses Sprach-Spiel” noch einmal den Deutschen Hörbuchpreis als Beste Interpretin.

Meine Meinung
Nachdem „Zartbittertod“ von Elisabeth Herrmann war ich neugierig auf ein weiteres ihrer Jugendhörbücher, nicht zuletzt, weil Laura Maire eine meiner Lieblingssprecherinnen ist.

Die Grundidee ist zwar nicht originell, trotzdem spannend: Eine Gruppe von Menschen, die sich in einem abgeschlossenen Raum befindet und in Lebensgefahr schweben. Hier ist es eine abgelegene alte Mühle, wo ihnen jemand nach dem Leben trachtet. Die alte Elite-Clique wird einige Jahre nach dem Abitur für ein Wochenende nach Karlsbad eingeladen. Alle gehen davon aus, dass einer von ihnen die Einladungen verschickt hat. Johnny, ein ehemaliges Mitglied der Gruppe, kann aufgrund eines Unfalls nicht selbst fahren und fragt Lana, ob sie fahren möchte. In Karlsbad werden sie auf einen Ausflug in die Berge gelockt und landen in der alten Mühle, in der schon alles für ihren Aufenthalt und ihr Ableben vorbereitet zu sein scheint.

Lana ist die klassische Außenseiterin. Ihr Vater arbeitete viel im Ausland, die Familie zog oft um und Lana hatte nie irgendwo die Möglichkeit, enge Freunde zu finden. Als die Familie sich dann im Ort L niederlässt, bleibt sie an der Schule eine Außenseiterin, so wie auch später an der Uni. So gerne würde sie zur Clique gehören, kann es aus den verschiedensten Gründen jedoch nicht. Zufällig landet sie an der gleichen Uni wie Johnny aus ihrer alten Schule. Er wirkt inzwischen eher zurückgezogen und geheimnisvoll. Die beiden haben keinerlei Kontakt, bis Johnny ihr an einer Treppe buchstäblich vor die Füße fällt und später im Krankenhaus die Einladung nach Karlsbad gibt. Danach ist Lana mit der Clique und einem Mörder allein. Die Geschichte wird aus ihrer Perspektive erzählt, ihre Gedanken und Motive sind nachvollziehbar.

Die anderen Figuren sind klischeehaft und mehr oder weniger überzeugend gezeichnet. Der Anführer, das Modell, der eher Zurückhaltende usw. Seit dem Abitur haben sich die Mitglieder der Clique nicht mehr gesehen und schnell wird klar, dass ein dunkles Geheimnis der Grund sein muss – über das natürlich niemand in Hörweite der fremden Lana sprechen möchte. Die schüchterne und unbeholfene Lana gerät schnell in Verdacht, mit dem abwesenden Johnny hinter der Einladung zu stecken. Anfangs ist es für die früheren Mitglieder der Clique schwierig, die alten Freunde zu treffen, dann rutschen alle schnell wieder in ihre alten Rollen. Alte Rivalitäten flammen wieder auf während alle in der Mühle zusammenhalten und gemeinsam einen Rettungsplan schmieden sollten.

Die erste Hälfte gefiel mir sehr gut, zumal Laura Maire meiner Meinung nach die perfekte Sprecherin für dieses Buch ist. Sie verleiht den Figuren eigenen Stimmen ohne es zu übertreiben, vermittelt die Gefühle von Lana und auch den anderen. Ich hatte das Gefühl, Lana selbst zuzuhören. Kopf Kino vom Feinsten. Sicherlich ist die Handlung insgesamt sehr konstruiert, aber das passt zum Genre und zur Grundidee, tat der Spannung für mich keinen Abbruch.

Geschickt lässt Elisabeth Herrmann die Hauptfigur Lana von allen anderen nur in der Vergangenheit sprechen, so dass man sich immer fragt, ob und wer überlebt. Lana und somit die Zuhörer erfahren nach und nach ein wenig mehr über die Vergangenheit der Clique, die Szenenwechsel sind nicht allzu abrupt und gewollt spannungserzeugend gestaltet.

In der zweiten Hälfte wurde es dann noch spannender. Leider gab es einige unglaubwürdige Stellen und insbesondere das Ende verdarb mir den Hörspaß. Auch wenn die Motive nachvollziehbar sind, hinter dem dunklen Geheimnis eine realistische Begebenheit steckt, die ausführlich dargestellt wird, hakte es in einem Punkt massiv für mich.

Ein spannender Jugendthriller, rasant erzählt und genial vorgetragen von Laura Maire, mit einer glaubwürdigen Hauptfigur und einem lebendig dargestellten Schauplatz. Leider ein teilweise verkorkstes Ende und einige Logiklücken, die mich vermutlich auch schon mit 14 gestört hätten. Karlsbad und seine Umgebung hingegen sind auf der Liste der Wunschurlaubziele gelandet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Karlsbad

Ähnliche Artikel