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Interview mit Sina Beerwald (2)

© Michael Magulski, Picture Time

© Michael Magulski, Picture Time

Liebe Sina, wir haben gerade festgestellt, dass das letzte Interview fünf Jahre her ist. In dieser Zeit hat sich viel getan. Du bist vom historischen Roman ins Krimigenre gewechselt, gerade ist Dein neuer Roman Kräherwald erschienen. Er hat bereits einige sehr positive Rezensionen erhalten. Wie fühlst Du Dich jetzt im Krimigenre?

SB: Auf jeden Fall sehr wohl. Ich hab ja zunächst mal das lustige Krimigenre beackert mit meinen Mordsmöwen und dem Möwenalarm und dem Heringsmord, in dem ein schwäbisches Rentnerehepaar sein Unwesen auf Sylt treibt. Bei den lustigen Krimis war immer Sylt der Schauplatz und jetzt bin ich zurück im Thrillerbereich und da ist Stuttgart nun auch wieder der Schauplatz so wie bei meinem ersten Thriller Hypnose. Im Kräherwald ist es eine Geschichte, die aufbaut auf einen wahren Fall und davon ausgehend hab ich dann meinen Thriller gestrickt.

Wieso hast Du diese Nord-Süd-Trennung? Wird die so bleiben?

SB: Naja, was heißt Trennung? Dieses Nord-Süd vereine ich ja auch nun in mir. Es ist ja einmal das Schwabenland, wo ich herkomme, wo ich aufgewachsen bin, und seit neun Jahren ist mein Lebensmittelpunkt eben Sylt und so verbinde ich das, würde ich sagen. Ich habe es aber noch nicht geschafft, in einem Buch beide Handlungsorte unterzubringen, das wäre vielleicht auch noch einmal was. Aber mit meinen Schwaben auf Sylt habe ich ja schon einmal so ein bisschen eine Verbindung geschaffen. Also, ich würde sagen, da trenne ich ja nun nicht ganz strikt.

Ich meinte die Trennung auch eher zwischen Thriller und humoristischen Krimis.

SB: Also es bei mir so dass ich froh bin über diese Vielfalt, dass ich beides machen kann, so wie ich auch meine historischen Romane gemacht habe. Ich fühle mich in so vielen Genres zu Hause. Und ich bin auch sehr froh darüber, dass mir viele Leser dabei folgen. Dass sie sagen, ich lese von Sina Beerwald einen lustigen Krimi, ich lese dann aber genau so gerne ihre Psychothriller, die es dann in sich haben.

Und wird es auch irgendwann noch einmal eine Rückkehr zum historischen Genre geben?

SB: Das möchte ich nicht ausschließen. Warum denn nicht. Wenn ich in einem Genre gerade arbeite, dann fühle ich mich da sehr zu Hause, aber die Rückkehr zum historischen Roman, das möchte ich nicht ausschließen, nein.

Oder ein historischer Krimi?

SB: Auch das ist möglich, na klar.

Deine Figuren sind ja immer sehr lebendig und immer nah bei Dir. Du hast gerade erzählt, Du hast zwei Möwenkrimis geschrieben, wie hat das da funktioniert?

SB: Meine Möwen sind mir ja sozusagen zugeflogen. Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich nicht mal einen Krimi schreiben will, der auf Sylt spielt, weil das bis dato nicht der Fall war. Ich wollte dann aber auch etwas schreiben, das so nicht in Posemuckelsdorf spielen könnte. Eines schönen Tages habe ich beobachtet, wie diese Möwen ein Fischbrötchen einer Frau aus der Hand heraus geklaut haben. Aber nur den Hering aus dem Brötchen herausgepickt, die Zwiebeln baumelten noch so in diesem zerrupften Brötchen. Die Frau war dann erst vor Schreck erstarrt, kuckte dann das Brötchen an und dann kuckte sie ihren Mann an und sagte „Bitteschön“ und und überreichte ihm dann die traurigen Überreste des Brötchens. Ich habe natürlich auch erst mal mitgelacht und dann habe ich gedacht: so, was wäre wenn das Ernährungssystem dieser frechen Möwen zusammenbricht? Es gibt bei uns auf Sylt einen Crepes-Stand, auf dem immer eine Möwe sitzt und Ausschau hält. Und das ist meine Möwe Ahoi geworden. Mein Ruf ist so gesehen ruiniert, weil ich dieses Buch sehr viel am Strand geschrieben habe, mit Manuskriptblock und Stift in der Hand, wie ich es gerne mache, und habe so die Möwen und ihr Umfeld immer vor Augen gehabt. Ich habe natürlich auch viel über die Möwen und ihre eigentliche Verhaltensweise gelesen. Weil die Möwen ja immer den Überblick über die Insel haben, habe ich mir erlaubt, den ein oder anderen Seitenhieb auf die Zustände hier auf der Insel mit einem Augenzwinkern einzubauen.

War es schwierig, den Möwen menschliche Züge zu verleihen?

SB: Nein, dieses Buch hat sich von selbst geschrieben. Diese Idee hat mich so verfolgt, hat mich nicht losgelassen, die habe ich in einer Nacht skizziert und das Expose entworfen. Morgens um fünf habe ich den Rechner zugeklappt, ich habe dieses Buch geschrieben, ohne auch nur irgendwas dran zu ändern, die Möwen standen mir vor Augen, ich musste da gar nicht viel dran tun.

Wird es noch einen Nachfolger geben?

SB: Auch das. Sicher ist schon, dass es einen Nachfolger zum Heringsmord geben wird. Meine Camper werden weiter auf Sylt ihr Unwesen treiben. Mit den Möwen hatte ich ja mit dem Möwenalarm schon einen zweiten Teil vorgelegt und ich vermute fast, dass die Bande keine Ruhe geben wird.

Du hast Dich jetzt in Kräherwald einer sehr speziellen psychischen Krankheit gewidmet, wie bist Du darauf gekommen? Der Story liegt ja ein realer Fall zugrunde.

SB: Angelehnt an einen wahren Fall habe ich es insofern, als es einen Leichenfund gab vor vielen, vielen Jahren im Main. Dieses Mädchen, das dort gefunden wurde, war niemals als vermisst gemeldet worden. Es ist auch bis heute nicht geklärt, wo dieses Mädchen eigentlich herkommt. Klar ist nur, dass es in der Nähe von Frankfurt gelebt haben muss, das konnten man aufgrund diverser Untersuchungen feststellen. Diese psychische Erkrankung, auf die Du anspielst, das ist etwas anderes, das hat mit diesem Fall nichts zu tun, da war es ein Zeitungsartikel, durch den ich drauf gekommen bin und davon gelesen habe. Ohne da jetzt zu viel zu verraten, aber das ist eben eine Erkrankung, die nun Gottseidank zwar nicht so häufig ist, aber es eine sehr hohe Dunkelziffer gibt. Das hat mich so berührt, als ich das gelesen habe. Das war der zweite Ansatzpunkt, bei dem ich gesagt habe, diese Erkrankung möchte ich thematisieren, dass man vielleicht, wenn man das Buch gelesen hat, mal mit offeneren Augen durch die Welt geht und solche Dinge vielleicht auch erkennt.

Was meinst Du, warum es so eine hohe Dunkelziffer gibt? Wollen die Menschen es vielleicht nicht sehen, weil es so unglaublich ist?

SB: Bestimmt, aber auch, das gehört mit zu dieser psychischen Erkrankung, dass die Menschen sehr, sehr gute Schauspieler sind. Selbst Ärzte haben mir bestätigt, dass Erkrankte leugnen, auch wenn man sie direkt darauf anspricht, weil sie die Problematik selbst nicht erfassen können. Oft ist es dann so, dass erst ein Videobeweis zur Konfrontation hilft, dem Betroffenen das klar zu machen, was eigentlich los ist.

Nun ist Tessa als Reporterin ja prädestiniert für weitere Fälle. Ist da schon was in der Pipeline?

SB: (lacht) Ja, meine Pipeline 🙂

Ich kann mir vorstellen, die ist ziemlich lang…

SB: Die ist allerdings ziemlich lang und ich bin mir auch sehr sicher, dass da was in der Pipeline ist, ja.

Neben Deinen Romanen hast Du ja auch ein Sachbuch über den Ort, an dem Du lebst, veröffentlich, 111 Orte auf Sylt, die man gesehen haben muss. Was hat Dir dabei denn am meisten Spaß gemacht?

SB: Spaß macht mir alles, was mit Sylt zu tun hat. Es war vor allen Dingen für mich eine neue Erfahrung, denn in diesem Buch durfte ich pro Örtlichkeit nur eine gewisse Textlänge verwenden und plötzlich auf Zeile schreiben zu müssen, wie ein Journalist es tun muss, dort meine ganzen Ideen und die Information, die ich dazu unterbringen möchte, hineinzubekommen, war für mich eine Herausforderung. Hier kann ich schon verraten, dass es einen Nachfolger geben wird, er kommt jetzt im Frühjahr und wird heißen 111 Orte auf Sylt, die Geschichte erzählen. Geschichte und Geschichten. Es ist unglaublich viel passiert auf Sylt, es waren auch sehr viele Schriftsteller auf Sylt, Thomas Mann, Carl Zuckmayer, Stefan Zweig, also wirklich große Literaten, und denen ist immer auch nachweislich etwas auf Sylt passiert, was sich auch zu Erzählen lohnt, aber auch die Geschichte des Bades, da gibt es sehr viele Geschichten, da bin ich gerade dran.

Wie bist Du bei der Auswahl vorgegangen?

SB: Die Auswahl ergibt sich bei mir von selber. Ich wurde immer gefragt, wie ich denn auf dem nur 110 Quadratkilometer großen Sylt 111 Orte finden konnte. Das geht sehr gut. Das geht sogar so gut, dass ich immer noch eine Auswahl treffen konnte und mir überlegen konnte, manchmal auch überlegen musste, nehm ich den Ort jetzt mit rein oder nicht. genauso jetzt bei dem Nachfolger, erzähl ich jetzt diese Geschichte oder erzähle ich eine andere, da hab ich wirklich die Qual der Wahl.

Und was ist dann ausschlaggebend für Dich gewesen?

SB: Das ist natürlich auch immer ein bisschen subjektiv. Es wird immer jemanden geben, der fragt, warum dies oder jenes nicht enthalten ist, aber für ist dann einfach wichtig, was ich für erzählenswert halte. Bei den 111 Orten sind es natürlich auch Örtlichkeiten, die Besonders sind, über die man vielleicht nicht gleich drüber fällt. Mich sprechen auch manchmal Insulaner an, die sagen: Das wusste ich ja gar nicht. Ich lebe hier auf der Insel, ich bin hier geboren, aber das kannte ich gar nicht.“ das ist für mich dann natürlich ein ganz, ganz großes Kompliment.

Könntest Du Dir das auch für Stuttgart vorstellen?

SB: Ja, allerdings gibt es das schon für Stuttgart, die 111 Orte, aber das hätte ich natürlich sonst auch gerne gemacht. Sylt ist für mich Herzensheimat und natürlich, Stuttgart ist Heimat.

Hast Du das von Stuttgart gelesen und bist Du mit der Auswahl einverstanden?

SB: Auch da ist es so, dass es subjektiv ist, aber in weiten Teilen hätte ich es auch so gemacht. Wer weiß, vielleicht gibt es da noch einen Teil Zwei von den Stuttgartern, das ist ja auch möglich.

Hat sich Dein Schreibprozess irgendwie verändert?

SB: Nein, nur der Espressokonsum ist etwas höher geworden

Noch höher?

SB: Ja, seit ich die Tasse von Emons habe. Ich arbeite nach wie vor am Liebsten gerne Nachts, so weit sich das ermöglichen lässt. Ansonsten gilt eben auch, eine Muse hat ihre Geschäftsstunden. Ich bin nach wie vor freiberuflich und in der Hauptsache als Schriftstellerin tätig. Das gibt mir natürlich auch gleichzeitig viel Freiraum und ermöglicht mir eben auch, die Projekte umzusetzen, die mir am Herzen liegen.

Du bist sehr produktiv, in den vergangenen beiden Jahren sind jeweils zwei Bücher von dir erschienen. Musst Du nicht mehr so viel recherchieren oder geht der Schreibprozess so schnell?

SB: Nein, es ist das parallele Arbeiten. An 111 Ort, die Geschichte erzählen bin ich im Grunde seit zwei Jahren dran, eigentlich noch viel länger, weil ich schon immer diese Geschichten gesammelt habe und deswegen schon einen gewissen Fundus hatte. Die ganze Archivarbeit beispielsweise habe ich jetzt schon die ganze Zeit parallel gemacht. Bei solchen Projekten geht es sehr gut, parallel zu arbeiten, weil man eben nicht immer gerade textproduktiv ist und da kann man natürlich solche Recherchearbeiten machen.Das eignet sich ganz wunderbar, deshalb darf man das nicht so geradlinig sehen. Manchmal besteht mein Arbeitstag halt auch nicht nur aus acht Stunden, sondern aus zwölf oder mehr Stunden.

Gibt es noch ein Projekt, das Dir total am Herzen liegt, das Du aber noch nicht umsetzen konntest?

SB: Nein, ich hatte bisher immer das Glück, alles, was mir am Herzen lag, umsetzen zu dürfen.

Gibt es noch irgendwas, was Du Loswerden möchtest?

SB: Ich freue mich, dass wir dieses Interview gemacht haben und das Revival nach der langen Zeit. Ich finde es immer sehr spannend und schön Deine Fragen zu beantworten, weil sie von Dir immer mit sehr viel Bedacht überlegt sind und das ist für mich umso schöner.

Vielen Dank für das Lob und für Deine Bereitschaft zu dem Interview!

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Lesung Laksmi Pamuntjak, 20.10.2016, Haus des Buches Frankfurt

Die Veranstaltung wurde souverän moderiert von Claudia Kramatschek, die deutschen Textausschnitte trug Jochen Nix vor – den nicht nur ich mir als Sprecher für eine Hörversion wünschte. Die Stühle waren fast bis auf den letzten Platz besetzt.

Zu Beginn wurde die diesjährige Preisträgerin des LiBeraturpreises kurz vorgestellt, dann erzählte sie, wie sie auf die Idee zu „Alle Farben Rot“ kam und über ihre rund zehnjährige Arbeit an dem Roman.

Schon als Schülerin missfiel ihr ihr Darstellung der Ereignisse von 1965* nicht, alles wurde schwarz-weiß durch Lehrer und Schulbücher vermittelt. Ihr Vater, eigentlich ein überzeugter Anti-Kommunist, habe sie schon früh gelehrt, alles zu hinterfragen.

Im Mittelpunkt steht das Liebespaar Amba und Bhisma, die während der Unruhen getrennt werden. Amba sucht intensiv nach Bhisma, der unauffindbar ist und erst Jahrzehnte später erhält sie Hinweise, dass Bhisma damals auf die Gefängnisinsel Buru verschleppt wurde. Buru sei damals eine Art tropisches Gulag gewesen, auf dem Suharto alles des Kommunismus Verdächtigten verschwinden lassen wollte. Sie wurden zur Zwangsarbeit bzw. Umerziehung auf die Insel geschickt und veränderten dort sowohl die Landschaft als auch die Gesellschaft.

Dann folgte eine kurze Lesung aus dem indonesischen Originaltext, sowie die Erklärung, dass Indonesisch noch keine 100 Jahre als sei und als klassenlose Lingua Franca eingeführt wurde, um das soziale Unterschiede betonende Javanesisch** zu ersetzen.

Im Anschluss las Jochen Nix eine längere Passage vor, die im Dezember 1973 spielte und die Situation im damaligen Indonesien eindrücklich vermittelte. Später folgten noch weitere Abschnitte.

„Alle Farben Rot“ war nicht der erste indonesische Roman, der die Ereignisse von 1965 und deren Folgen in den Mittelpunkt stellte. Seit Beginn des neuen Jahrtausends habe die zunehmende Redefreiheit die öffentliche Auseinandersetzung damit ermöglicht und große Verlage haben aktiv nach alternativen Darstellungen der historischen Ereignisse gesucht. Zuvor seit es eher die Domäne der kleineren Verlage gewesen.

Laksmi Pamuntjak wollte jenen Menschen eine Stimme geben, deren Erlebnisse und Ansichten zuvor keine Raum in der Öffentlichkeit haben durften. Romane sollten nicht über die Geschichte urteilen, sondern alternative Sichtweisen liefern. Im Gegensatz zur offiziellen Darstellung sind in „Alle Farben Rot“ die Rollen weitgehend umgekehrt verteilt, es ist klar, wer hier die Opfer sind – die jedoch nicht alle unschuldig an ihrem Schicksal waren.

Das Schlüsselerlebnis für die Entstehung des Romans in seiner endgültigen Fassung war ein Besuch der Insel Buru mit einem 80-jährigen ehemaligen Häftling im Jahr 2006. Er habe ihr seine Erfahrungen dort sehr lebendig vermittelt, konnte an den Originalschauplätzen über eigene Erlebnisse berichten, auch wenn von dem damaligen Gefangenenlager praktisch nichts mehr sichtbar war. Während heute Besucher eine idyllische Insel wahrnehmen, ließ er das Lager vor ihrem inneren Auge entstehen, zeigte vermittelte das vielschichte Verhältnis zwischen Wächtern und Gefangenen und vor allem die Bedeutung von Vergebung.

Danach sei ihr bewusst gewesen, dass sie eine große Verantwortung gegenüber den Betroffenen habe, deren Erfahrungen so authentisch wie möglich wiederzugeben, auch wenn sie es selbst nicht miterlebt hat.

Ein zweites wichtiges Element ist das indische Nationalepos Mahabharata, das auch bis heute in Indonesien eine große Bedeutung hat. Viele Kinder werden nach den Figuren aus dem oft als Schattentheater aufgeführten Epos benannt und es würden viele moralische/philosophische Themen behandelt.

Im Mahabharata sei Bhishma ein Krieger, der über die besondere Gabe verfüge, den Zeitpunkt seines Todes selbst bestimmen zu können. Im Roman habe Bhishma das Schicksal erst 12 Jahre im Gefängnis zu überleben um dann mitzuerleben, wie die Geschichte sich wiederhole. Es habe sie sehr erschreckt zu sehen, wie es wieder zu Religionskriegen auf einigen der Insel kommen könne – ähnlich wie Bhishma, der im Kreislauf der Geschichte gefangen sei und immer wieder das Gleiche erleben müsse.

Laksmi Pamuntjak wollte auch darstellen, dass Toleranz und Liebe insbesondere in einer künstlich geformten und multikulturellen Gesellschaft wie Indonesien von besonderer Bedeutung seien. Man müsse dort an die Liebe glauben, nur durch Empathie sei Verständnis möglich. Ihrer Ansicht nach war die Veröffentlichung des Filmes „The Act of Killing“ von Joshua Oppenheimer (2012) ein wichtiger Schritt gewesen. Erstmal sprachen Täter vor laufender Kamera über ihre damaligen Taten, danach sei es nicht mehr möglich gewesen, die Ereignisse zu leugnen. In der jetzigen Regierung säßen immer noch Mitglieder der alten Elite, die radikale Maßnahmen befürworten. (Todesstrafe, chemische Kastrierung wurden als Beispiele genannt.) Der Film „Look of Silence“ (2014) stelle die Sicht der Opfer dar und hätte nur mit Guerillataktik gefilmt werden können.

Es sei eine komplexe Situation gewesen, zu der es nicht zufällig oder überraschend gekommen sei, beide Seiten trügen einen Teil der Schuld – was jedoch nicht das damalige Vorgehen entschuldigen würde. Jedoch wären z.B. in Südafrika nach dem Ende der Apartheid Versöhnungskomitees eingeführt worden, in Indonesien würde mit der Todesstrafe reagiert.

Sie hoffe auf eine positive Entwicklung in Indonesien und bedankte nach rund 1,5 Stunden sich beim Publikum für das Interesse. Danach nahm sie sich viel Zeit beim Signieren, um weitere Fragen zu beantworten. Derzeit arbeitet sie an ihrem nächsten Buch, über dessen Thema sie noch nichts verraten wollte.

*
Aufstieg Suhartos, Militärdiktatur *3SAT*
Artikel aus der Zeit von 1967 *klick*

**
Javanesisch (und noch etwas gelernt)
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Javanische_Sprache

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