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Frisch eingetroffen: Sabine Kornbichler – Wie aus dem Nichts

€ 12,99 [D], € 13,40 [A]
Erscheint am 02.11.2016
368 Seiten, Broschur
ISBN: 978-3-492-30873-1

Lügen können Leben zerstören, die Wahrheit aber auch. Das weiß Dana Rosin nur zu gut. Die Inhaberin einer Alibi-Agentur hat schon vor langer Zeit einen Pakt mit der Lüge geschlossen. Ihr neuer Freund Alex – ein Enthüllungsjournalist und Verfechter der Wahrheit – lehnt ihre Einstellung allerdings strikt ab. Doch dann wird er eines Morgens erschossen, während sich Dana in letzter Sekunde vor dem Mörder verstecken kann. Bei den polizeilichen Ermittlungen stellt sich schnell heraus, dass Alex nicht der war, als der er sich ausgegeben hat. Wer aber war er dann? Und warum musste er sterben? Fragen, die Dana nicht loslassen – und ihr Leben in Gefahr bringen.

Leseprobe (pdf)

Sabine Kornbichler, geboren 1957, wuchs an der Nordsee auf und arbeitete in einer Frankfurter PR-Agentur, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Schon ihr erster Roman, »Klaras Haus«, war ein großer Erfolg. Mit »Das Verstummen der Krähe«, ihrem ersten Kriminalroman um die Nachlassverwalterin Kristina Mahlo, wurde sie für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Sabine Kornbichler lebt und arbeitet als Autorin in München.

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Sina Beerwald – Kräherwald

Es ist einer der heißesten Tage des Jahres, als die Stuttgarter Journalistin Tessa Steinwart eine Leiche am Ufer des Neckars findet. Ein junges Mädchen, nackt in ein weißes Bettlaken gehüllt, mit Rosenblättern bedeckt und mit Zeichen eines jahrelangen Martyriums. Niemand scheint sie zu kennen, niemand zu vermissen. Kurz darauf geraten Tessa und ihr kleiner Sohn ins Visier des Mörders. Er scheint alles über sie zu wissen – und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er wieder zuschlagen wird …

Als ich den Titel des neuen Romans von Sina Beerwald das erste Mal gelesen habe, dachte ich an einen Druckfehler. Das musste doch sicher Krähenwald heißen, oder? Aber es war kein Fehler, denn Kräherwald ist tatsächlich ein vermutlich ziemlich unzugängliches Waldgebiet im Westen von Stuttgart. Es nimmt hier auch so etwas was wie eine Protagonistenrolle ein, deshalb passt der Titel auch hervorragend zum Roman.

Nach Hypnose legt Sina Beerwald hier ihren zweiten Thriller vor und wieder gelingt es ihr, den Leser in ihren Bann zu ziehen mit einem spannenden, sehr gut recherchierten Plot. Sie legt sehr viele falsche Fährten, bringt mehrere Verdächtige ins Spiel, zwischen denen man sich kaum entscheiden kann. Auch wenn ich sehr früh einen Verdacht hatte, der sich am Ende als halbwegs richtig herausgestellt hat, lag ich doch ziemlich weit daneben, weit genug jedenfalls, um die Spannung bis zum Ende aufrechtzuerhalten und die Lösung einigermaßen verblüfft zur Kenntnis zu nehmen. Dabei tut die Autorin eigentlich alles, um den Leser auf die richtige Spur zu bringen, aber ich zumindest habe die Anspielungen nicht deuten können.

Die Protagonisten sind authentisch und ihre Handlungen nachvollziehbar, insbesondere gelingt es Sina Beerwald, den Leser die Ängste einer Mutter spüren zu lassen, auch wenn man vielleicht selbst gar kein Kind hat. Man wird hineingezogen in den Strudel der Gefühle und leidet mit Tessa mit. Ich konnte ihre Panik und ihre Suche nach dem Täter, die in Verdächtigung ihrer sämtlichen Freunde gipfelt, gut verstehen. Man erlebt die Berg- und Talfahrt der Gefühle live mit und ist am Ende fast so fertig wie Tessa.

Sina Beerwald schreibt im Nachwort, dass sie eine bestimmte psychische Erkrankung in den Fokus rücken wollte. Dies gelingt ihr insbesondere durch die feinfühligen Einschübe aus der Sicht des Mädchens, die deutlich macht, wie sich Opfer dieser Erkrankung fühlen müssen. Auch wenn man von dieser Erkrankung schon einmal gehört hat, erkennt man sie doch nicht, so subtil sind die Hinweise.

Kräherwald ist ein spannender und stimmiger Thriller, der einen tief in die menschlichen Abgründe blicken lässt und einen bis zum Schluss in Atem hält.

Sina Beerwald, 1977 in Stuttgart geboren, studierte Wissenschaftliches Bibliothekswesen und hat sich bislang mit sechs erfolgreichen Romanen einen Namen gemacht.  2011 wurde sie Preisträgerin des NordMordAward, des ersten Krimipreises für Schleswig-Holstein. 2014  erhielt sie den Samiel Award für ihren Sylt-Krimi “Mordsmöwen.” Mehr über die Autorin erfahren Sie auf ihrer Homepage und bei Facebook.

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Jonathan Safran Foer – Hier bin ich

ungekürzte Lesung
16:59 Stunden
Sprecher: Ari Fliakos
Hörprobe bei audible *klick*

Zum Inhalt
Jacob Bloch, Anfang 40, erlebt mal mehr mal weniger passiv mit, wie seine Familie und seine (vermeintliche?) religiöse Heimat zu zerbrechen drohen. Sein Großvater möchte lieber sterben als ins Pflegeheim, sein erzkonservativer Vater mischt sich in alles ein, die Söhne werden selbständig, mal verschlossen, mal sehr wortgewandt, der Hund ist krank… und dann kommt noch eine schwere Krise in Israel hinzu. Sein Leben wird erschüttert und er wird gezwungen, neue Wege zu gehen.

Wo steht Jacob Bloch wirklich und wer ist er?

Zum Autor
Jonathan Safran Foer studierte in Princeton Philosophie und Literatur. Mit seinen internationalen Bestsellern Alles ist erleuchtet, Extrem laut und unglaublich nah und Tiere essen begeisterte er Publikum und Kritik gleichermaßen. Foer lebt und arbeitet in New York.

Zum Sprecher
Ari Fliakos ist ein amerikanischer Autor und Produzent, der schon zahlreiche Hörbücher eingelesen hat.

Meine Meinung
„When the destruction of Israel commenced, Isaac Bloch was weighing whether to kill himself or move to the Jewish home”
(“Als die Zerstörung von Israel begann, überlegte Isaac Bloch, ob er sich das Leben nehmen solle oder in das Jüdische (Pflege)Heim ziehen”)

Mit diesem Satz beginnt der erste Roman von Jonathan Safran Foer nach elf Jahren – hohe Erwartungen und ein Buch, das selbstverständlich ganz anders ist. Auch diesmal geht es um mehrere Krisen, familär und politisch, wie der Satz gleich deutlich macht. Im Mittelpunkt steht jedoch über sehr lange Zeit ausschließlich die Zerstörung der Familie von Jacob Bloch.

Zahllose Dialoge der Familienmitglieder untereinander, teilweise einseitige Wiedergabe von Telefonaten, schnell ist klar, dass Jacob (Anfang 40) und seine Frau Julia auf die Scheidung zusteuern, es „nur“ noch darum geht, dies den drei minderjährigen Kindern zu vermitteln, die Betreuung soll abwechselnd durch die Eltern erfolgen. Sie haben verlernt, miteinander zu sprechen, überhaupt miteinander zu kommunizieren und sie versuchen auch viel zu lange nicht mehr ernsthaft, es zu ändern. Dass die bevorstehende Bar Mitzwa ihres ältesten Sohnes eventuell nicht stattfinden wird, ist nur noch ein weiterer Tropfen in das Fass ihrer Probleme.

Jacob selbst schreibt Drehbücher für das Fernsehen, gewann mit 24 einen Buchpreis, wird bald geschieden sein – das erinnert stark an das Leben von Jonathan Safran Foer selbst. Hinzu kommt Jacobs Suche nach dem Sinn seines Lebens, auf dem besten Weg in die Midlife Crisis, trotz regelmäßiger Therapeutentermine. Seine zahlreichen Pflichten und Ziele zerreißen ihn, machen ihn unzufrieden und irgendwie hilflos.

Einige der Dialoge sind wirklich gelungen, messerscharf beobachtet, andere zäh wie Kaugummi und meiner Meinung nach für die Handlung bzw. Charakterisierung der Figuren unnötig. Alle Familienmitglieder, auch Jacobs Vater Irv und Großvater Isaac, gewinnen schnell an Konturen, ihre vielen Unterschiede und wenigen Gemeinsamkeiten werden durch die Dialoge und inneren Monologe deutlich. Dies alleine hätte schon mehr als genug Stoff für einen Roman geboten, zumal Foer häufig abrupt den Schauplatz und Gedankengang wechselt, was das Buch oft sehr hektisch wirken lässt.

Jonathan Safran Foer nimmt jedoch noch ein grundsätzlich interessantes Gedankenspiel hinzu, allerdings erst in der zweiten Hälfte und meiner Meinung nach auch zu stark vereinfacht, zu plakativ dargestellt.

Jacobs in Israel lebender Cousin Tamir ist eine sehr interessante Figur, kommt just kurz vor dem prägnanten Ereignis in Israel zu Besuch und könnte oberflächlich gesehen nicht unterschiedlicher als Jacob sein. Durch ihn werden Perspektiven vermittelt, die dem schon lange in Amerika lebenden Zweig der Familie zumindest unangenehm, oft völlig fremd sind.

Der Titel ist ein Bibelzitat, die Worte von Abraham an Gott, kurz bevor er fast seinen Sohn opfert. Jacob nutzt diesen Satz oft einem seiner Söhne gegenüber, um diesem mit Worte Nähe zu vermitteln, die er ihm körperlich nicht geben kann. Gleichzeitig steht der Satz auch für die Fragen, die Jacob sich stellt, wo ist er und wer ist er. “He was a father to the boys, a son to his father, a husband to his wife, a friend to his friends, but to whom was he himself?” (“Er war ein Vater für die Jungen, ein Sohn für seinen Vater, ein Ehemann für seine Frau, ein Freund für seine Freunde, aber wer war er für sich selbst?”)

Die Sprachlosigkeit als Thema hatte ich erst vor kurzem in „Shtum“, vielleicht hätte mir „Here I Am“ besser gefallen, hätte ich es zuerst gehört.

Ari Fliakos wechselt gekonnt die Stimmlage mit den verschiedenen Familienmitgliedern und erweckt alle zu Leben, vermittelt überzeugend die jeweilige Stimmung.

Fazit
Als experimentellen Roman, als Erstling hätte mir „Here I Am“ vermutlich besser gefallen. So wirkte es auf mich irgendwie unfertig und überladen, obwohl wirklich viele gute Ideen drinstecken – vielleicht wäre weniger mehr gewesen, lieber zwei Bücher statt alles in eines gequetscht? Der Handlungsstrang um den schwer kranken und inkontinenten Hund wirkt fast wie eine Geschichte von Brecht über Herrn Keuner. Die Geschichte um die auseinandertreibende Familie ist so treffend wie deprimierend realistisch erzählt, der Handlungsstrang um Israel ein interessantes Gedankenspiel, meiner Meinung nach nicht ganz so gelungen umgesetzt. Vielleicht würde ich das Buch mit etwas mehr Abstand positiver beurteilen, aktuell überwiegt leider die Enttäuschung.

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